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Erster Band.
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Zweites Buch. VI. Die Kirche und die lateinische Litteratur.

Der im Nibelungenliede erwähnte Bischof Piligrim von Passau hat sich unter Otto II. undunter dessen Nachfolger um den Anbau des Landes, die Gesittung des Volkes und wahrschein-lich auch um die Mission bei den heidnischen Ungarn große Verdienste erworben. Dem stehtfreilich verdunkelnd gegenüber, daß er (wie Tümmler nachgewiesen) Urkunden fälschte und sichdadurch die Hoheit über verschiedene Stifter verschaffte; andere seiner Fälschungen wurden aberin Rom erkannt, und seine Hoffnung auf ein Erzbistum wurde zunichte. Unter Heinrich II.übte Bischof Megingaud von Eichstätt (f 1014) vielen Einfluß aus, obschon seine weltlichenGewohnheiten Tadel genug fanden. Damals hielt auch Mein werk von Paderborn, freilichnicht ohne Härte, musterhafte Ordnung in seinem Bistum, während gleichzeitig Thietmarvon Merseburg sich als Geschichtschreiber auszeichnete und Bernward von Hildesheim, derErzieher und Reichskanzler Ottos III. (f 1022), als Künstler und Beförderer kirchlicherBauten hervorragt.

Weit einflußreicher noch waren zur Zeit der Minderjährigkeit Heinrichs IV. die ErzbischöfeAd albert I. von Bremen (st 1072) und Anno II. von Köln (f 107b). Beide arbeitetenden Bestrebungen des großen Papstes ihrer Zeit, Gregors VII., (schon als er noch ArchidiakonHildebrand war) eifrig entgegen, bekämpften einander jedoch um die Herrschaft im Reiche biszum Tode. Adalbert erstrebte ein vom Papsttum unabhängiges nordisches Patriarchat undvernachlässigte darüber, wie fein Bewunderer Adam von Bremen klagt, seine Diözese. Derüberaus fromme und wohlthätige Anno dagegen, welcher Kirchen und Klöster reich beschenkte,unterwarf sich nach dem Kampfe gegen Rom, zu welchem er die deutschen Bischöfe (1002) auf-gerufen hatte, den Beschlüssen jenes von Hildcbrand versammelten lateranischen Konzils.

Zur Zeit des Kaisers Friedrich Barbarossa nahm sein Kanzler, Reinald von Dassel, seit1159 Erzbischof von Köln, eine weltgeschichtliche Stellung ein. Des Kaisers Kopf und rechteHand während der blutigen Kämpfe in Italien, bei mancher Waffenthat selbst eingreifend, ja denMonarchen zum Anspruch auf die Oberhoheit über alle christlichen Könige anspornend, ging erim Kampfe gegen das Papsttum sogar noch weiter als Friedrich; er erstürmte Rom, starb aber1167 vor der ewigen Stadt, und mit ihm mehrere andere kaiserlich gesinnte Bischöfe, an der Pest.

Für die niedere Geistlichkeit war es im elften Jahrhundert hvchbedeutsam, daßden Priestern die Ehe völlig untersagt wurde. Unerwartet konnte dieses Verbot wohlnicht kommen; denn schon bis dahin war die Ehe allen Geistlichen vom Unterdiakon aufwärtsverwehrt; ein verheirateter Kleriker konnte nur schwer in höhere Stellungen emporsteigen; einBischofssitz war ihm unerreichbar. Die deutsch e n Bischöfe jener Zeit waren „in der Mehrzahlfromme Männer, mit wahrhaft christlichen Tugenden geschmückt, fest in Glauben und Hoffnung ge-gründet. Nach dem übereinstimmenden Urteile der Zeitgenossen waren sie am wenigsten von dersittlichen Fäulnis angesteckt, welche den hohen Klerus in fast allen Ländern des Abendlandes ergriffenhatte." Deshalb war es von ihrer Seite gut und fromm gemeint, wenn sie dem asketischen Zug ihrerZeit folgten und die Pricstcrehe bei ihren Untergebenen vollständig auszurotten versuchten. Sielebten jedoch an ihren Höfen fern vom Volke und kannten daher die Gefühle der unter undmit dem Volke lebenden, an dessen Freuden und Leiden teilnehmenden Gcmcindcgeistlichen vielzu wenig. So mochten sie denn über die Wirkung des Cvlibatgesetzes, welches Gregor VII. imJahre 1073 gleich nach seinem Regierungsantritte erließ, nicht wenig erstaunt sein. „Der gesamtePriesterstand", sagt der Mönch Lambcrt von Hersfeld, „erhob sich gegen das Cölibatgebotmit heftigem Unwillen; sie riefen laut, der Mann sei ein völliger Ketzer und seine Lehre

unsinnig, da er.die Menschen mit gewaltsamer Forderung zwingen wolle, nach Art

der Engel zu leben und, indem er der Natur ihren gewohnten Lauf verweigere, der Unzuchtund Zwietracht die Zügel lockere. Fahre er so fort, so wollten sie lieber das Priestertnm alsdie Ehe aufgeben" n. s. w. Sogar die Mönche von Elngny erklärten sich gegen den Papst.Die Suffraganbischöfe der Erzdiözese Mainz empörten sich auf der Synode zu Erfurt im Jahre1074 offen gegen die Zumutung, sich entweder von ihren Frauen oder von ihrem Amte zutrennen; nebst anderen Bischöfen weigerten sie sich, einer wegen Simonie an sie ergangenenCitation „dieses gefährlichen Menschen", wie sie den Papst nannten, nach Rom zu folgen.Diese Proteste waren ja umsonst. Sie wirkten aber offenbar in der Thatsache nach, daß in