Anfänge der mittelhochdeutschen Litteratur. Historiker.
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Bischofs Wolfgang (S. 152 ». Bedeutender ist die Lebensbeschreibung Kaiser Konrads II., ver-saßt von dessen geistlichem Hofmannc dem Dichter Wipo, einem der Erzieher seines Sohnes,der aber mehr Heinrich III. verherrlichte, als seinen Vater und ersteren: auch sein Buch widmete,das oft von Sachkenntnis und Bildung zeugt. Hermann vder Herimann, der Lahme(aontrnotrm) genannt, Mönch zu Reicherm», aus gräflichem Geschlechte Schwabens (IOI3—1054),auch Musiker und Dichter, bearbeitete annalistisch die Ereignisse von Christi Geburt an, aus-führlich und klassisch aber nur von 1039—1054, das heißt die Zeit Heinrichs III. SeinBeispiel wirkte sehr anregend, doch herrschte seit der Mitte des elften Jahrhunderts die Heiligen-geschichte oder wenigstens die Geschichte frommer Personen, deren Heiligsprechung gewünschtwurde, vor. Für die Beziehungen Deutschlands znm Norden ist die Hamburgisch - BremischeKirchengeschichte des Domherrn Adam von Bremen, welcher in Magdeburg gebildet warund in Bremen unter Erzbischof Adalbcrt (S. 167) als Lehrer wirkte, von großer Wichtigkeit.Magdeburg und Bremen waren damals die zwei bedeutendsten Schulen Norddeutschlands.
Die besten Berichte über die Zeit Heinrichs IV. verdanken wir dem bereits genanntenLambert von Hersfeld, der aber nur über die ihm nahe liegenden Dinge gut unterrichtetwar, und dessen gegen den König sehr eingenommene Annalen schon 1077 abgebrochen sind.Im Sinne Roms schrieben auch Herimanns von Reichen«:: Fortsetzer: sein Mitbruder Berthold,dessen Werk als Quelle bis 1080 schätzbar ist, und Bernold, der als Geistlicher in Konstanz,St. Masten und Schaffhausen lebte (bis 1100). Eine geradezu skandalöse und historisch un-zuverlässige Schmähschrift auf Heinrich IV., aber mehr von: sächsischen, als römischen Stand-punkte, ist das „Buch von: Sachsenkricge" (1065 — 1081), welches der in Magdeburg undMerseburg lebende Geistliche Bruno geschrieben haft das Gegenteil davon, blinde Lob-hudelei des Kaisers, aber in weit gebildeterer Sprache, findet sich in dem anonymen „LebenHeinrichs IV." und in dem Epvs von: Sachsenkriege. Einen antipäpstlichen Standpunkt nehmenunter Heinrich IV. und V. das Werk des Bischofs Wido von Osnabrück über den Streitzwischen Kaiser und Papst, sowie die Weltchroniken des Schottenmönchs Marianus inMainz und des Belgiers Sigebert von Gembloux (f 1111) ein, während dagegen dieWeltchronik des Abtes Ekkchard von Aura (bis 1106, fortgesetzt bis 1125), das vollendetsteWerk dieser Art, mit der Zeit von: Kaiser zum Papste überging. Zahlreiche Biographie«:und Annalen vervollständigen diese wichtigsten Quellen zur Zeitgeschichte des unglücklichstenKaisers und seines harten Sohnes.
Kaiser Friedrich I. der Rotbart wählte zum Verkündigen seines Ruhmes den damalswohl gelehrtesten und federgcwandtesten Deutschen, seinen Sticfoheim Bischof Otto vonFrei sing, den der Tod leider allzufrüh (1158) von der Arbeit seines Lebens abrief.Seine Weltgeschichte und Geschichte Friedrichs I. zeichnen sich durch philosophische, freilichpessimistisch gefärbte Auffassung und trefflichen Stil vor allen früheren Chroniken des Mittel-alters aus; aber es mangelt ihnen an Unparteilichkeit und an Unbefangenheit des Urteils.Das erste der genannten Werke wurde durch Otto von St. Blasien, ganz in der Weisedes Freisingers, bis 1209 fortgesetzt; das zweite führte des letzter:: Schüler und Notar, derPropst Ragewin, freilich mit weniger philosophischer, als historischer Begabung, weiter, dochnur bis zum Jahre 1160. Gottfried von Bitcrbo, ein in Italien lebender Sachse, feiertein einen: Heldengedichte Friedrichs Thaten in lateinischen Versen, wie auch das lateinischeEpos „Ligurinus" den Rotbart verherrlichte. Seitdem hat die deutsche Geschichtschreibungin Roms Zunge nur noch ihren Verfall bezeugt.
Dagegen nahm die klassische Bildung zu; svgar Nonnen schrieben einander latei-nische Briefe und citierten die römischen Klassiker; bildungsdnrstige Geistliche reisten selbst bisnach Spanien und Griechenland. Zugleich aber mehrten sich die litterarischen Werke indeutscher Sprache, deren dichterische Blute uns weiter unten beschäftigen wird.