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Erster Band.
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VZZ Zweites Buch. VII. Das Zeitalter des Rittertums und des Minne dien st es.

feurig rot, die Zähne schneeweiß nnd gleich gestellt, die Ohren klein und rnnd seien. ÄhnlicheAnforderungen stellen die Dichtungen auch an das stärkere Geschlecht. Rothaarigen, buckligenund häßlichen Menschen tränte man nichts Gutes zn.

Im Verhältnis der Geschlechter zu einander galten streng die Regeln der Höflichkeit.Beim Eintreten in einen Raum standen Herren und Frauen vor einander auf; die Anredewar Zache der ersteren. Einen Ritter nannte man „Herr", einen Knappen „Jungherr"lJnnker), eine junge Dame, gleichviel ob vermählt vder nicht, „Jungfrau", eine ältere in beidenFällen „Frau". „Llaxot" bezeichnete eine ledige Frau jünger» Alters.

So abgemessen aber im äußern Auftreten das Verhältnis der Geschlechter auch war,so wenig wußte dasselbe im geheimen etwas von Schüchternheit oder allzu großer Gewissen-haftigkeit. Wohl keine Litteratur ist so reich an lüsternen Situationen nnd losen Aben-teuern wie diejenige der Zeit, von welcher wir sprechen. Der ritterlichen Gesellschaft mangeltees stets an tiefer, ernster Beschäftigung; was konnte sie neben dem Waffenhandwerk daher mehranlocken als das Aufsuchen verliebter Abenteuer in des Wortes verwegenster Bedeutung? —Die Moral stand noch auf sehr unentwickelter Stufe; man glaubte den Pflichten der Religionmit äußerlicher Befolgung der kirchlichen Gebräuche Genüge zn thun, und dies um so mehr,als die Geistlichkeit damals, nachdem sowohl die wissenschaftliche und künstlerische Thätigkeitder Kloster, wie die Rcformbestrebungen von Clnnh vergessen nnd verschollen waren, mitkeinem guten Beispiele voranging. Wohl ergiebt sich aus allen zeitgenössischen Angaben, daßin Deutschland noch mehr Sittsamkeit zu finden war, als in den Nachbarländern (namentlichin Frankreich), wie schon die herrlichen Frauengestalten des Parzival nnd der Nibelungenzeigen; allein auch in unserm Lande fehlte es weder an leichtfertigen Herren noch an nach-sichtigen Damen. Selbst hier wurden die Gesetze der Ehe vielfach gebrochen nnd durch einsittenloses Treiben verletzt, welches sich um das Jahr !2«U> auch auf die Geistlichkeit, dieBischöfe, die Mönchs- nnd Nonnenklöster, übertrug. Die Frauen der höfischen Zeit lebtenfreier nnd ungezwungener als die des frühern Zeitalters. Es gab viele abenteuernde Damen,

„fahrende Fräulein", allerdings nicht ausbesseren Häusern. Im Ritterstandc aberwurde die Gastfreiheit der Burgen oftdurch Vorkommnisse beleuchtet, in denensich Znchtlvsigkeit nnd Naivetät drastischvermengten.

nter den Rittern selbst herrschte keine allzustrenge Auffassung von der Ehe und derehelichen Treue, ausgenommen in denAugen beleidigter Gatten, welche die Zer-störer ihrer HanSehre töten vder ver-stümmeln durften. Intime Verhältnisse,sogar Verheirateter, mit anderen Personen,sogenannten „Annen", die sehr oft Ehe-frauen waren, wurden nicht nur gesell-schaftlich, sondern selbst gesetzlich, vomSachsen- nnd Schwabenspiegel, anerkanntnnd die dabei beteiligten Damen wurdenvon ihren Standesgenossinnen keineswegs verachtet. Je schwierigere Abenteuer und je größereGefahren ein Ritter in dieser Hinsicht bestand, um so höher stieg auch der Ruhm seinerTapferkeit. Solche Ritter trugen Hemden, Ärmel, Tücher ihrer Angebeteten am Leib vderan Helm und Lanze in Turnier und Schlacht, nnd die Damen waren stolz, diese Sachen inzerrissenem Zustande dann abermals zn tragen. Nicht so vereinzelt, wie man glaubt, stehenin dieser Beziehung Tollheiten wie die des Ritters Ulrich von Lichten stein da; freilichgiebt dessen Geschichte auch von der höhnenden Kälte vieler Frauen Zeugnis, welche vonihren Verehrern im Übermut oft die unmöglichsten Thaten verlangten. Es gab scherzhafte

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Fahrendes Fräulein; Zeitbild aus dem 12. Jahrhundert.

Darstellend die heilige Pelagia in einem Znitialbuchstaben eines Pastioualeaus Kloster Anstalten; um 1180. Stuttgart, kgl. Bibliothek.