Band 
Erster Band.
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Höfisches Leben.

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Gesetzbücher der Liebe; das Dasein ernster „Liebeshöfe" ist jedoch mir eine Fabel, soviel mandamals auch über verwickelte Licbeshändel grübelte.

An Lichtseiten in dem Treiben der ritterlich-höfischen Gesellschaft fehlte es indessennicht. Bei aller Leichtfertigkeit war Gewaltanlhat allgemein verpönt; sie kam wohl nur imKriege vor; im Frieden unterlag sie der Todesstrafe oder anderer schwerer Buße. Ebensozeigen die großen deutschen Heldengedichte jener Zeit, daß hohe reine Liebe nicht selten warund im Minnesänge eine beredte, — in Farben- und Blumenwahl aber eine stumme und dochdeutliche Sprache erhielt. Selbst verbotene Verhältnisse hatten oft einen tief ergreifenden undrührenden Zug. Im ganzen undgroßen war die Gesellschaft besser alsihr Ruf und entsprach in ihrer wirk-lichen Lebensweise keineswegs völligihrer starken Neigung zur Unter-haltung durch anstößige Erzählungen.

Eine treffliche Sitte jenerPeriode war die sorgsame Körper-pflege. Wahrscheinlich nicht ohneEinwirkung des Morgenlandes durchdie Krenzzüge waren Bäder einunentbehrliches Bedürfnis für sämt-liche Glieder der höheren Ständegeworden; sie hatten große Bedeutungim Leben der höfischen Kreise; siebildeten eine hervorragende Pflichtder Gastfreundschaft. Daß dabeiJungfrauen den ritterlichen Ankömm-ling bedienten, ja, daß Männer undFrauen gemeinschaftlich badeten, so-viel bekannt, stets in Wannen,ist wohl eher naiv als unsittlich zufinden, wenn man die Zeit nimmt,wie sie war. Nur extreme Heiligemißachteten das Bad als sündhaft.

Auch beim gewöhnlichen Waschenwurde die größte Reinlichkeit be-obachtet ; Nägel, Zähne, Kleider, allesunterlag demselben; Kämme, Bürstenund Spiegel fehlten in keiner adligestFamilie. Wandspiegel kannte dieseZeit noch nicht, sondern nur Hand-spiegel von geringem Umfang, diefrüher aus Metall, später aus Glashergestellt, iu schön geschnitzte Rahmen gefaßt und in elfenbeineren Kapseln verwahrt wurden.Zierliche, mit Ritter- und Liebesszenen geschmückte Kästchen verwahrten die Toilettengegenstände.Falsche Haare und Schminke waren den Damen nicht unbekannt, den Männern aber ein Greuel.

Andere Lebensumstände der höfischen Gesellschaft, Nahrung, Kleidung und Schmuck,müssen wir wegen der Vergleichung der Stände und des Zusammenhangs der Jahrhundertein die folgenden Abschnitte verweisen; wir gehen hier zu den ritterlichen Wohnungen, denBurgen oder Schlössern und zu dem Leben über, welches sich in denselben abspielte.Wie die Pfahlbauer der Urzeit sich zu schützen suchten durch die Wogen der Seen, denen sieihre Nolzgerüste anvertrauten, so suchten im Mittelalter die Ritter ihre Burgen durch Anlage,Bauart und Standort vor feindlichern Angriff und gegen die in ihrer Zeit noch herrschende

AM

Ritterlicher Gast im Bade von Edeldamen bedient.

Rechts der Wasserkessel über dem Feuer, das eine Magd — zur Darstellungihres niedern Standes kleiner als die übrigen Figuren gezeichnet — mit demBlasebalg anfacht.

Das „Herrn Jakob von Warte" darstellende Miniature der Heidelberger (ehe-maligen Manesseschen) Liederhandschrift. Um 1300. Heidelberg, Univ.-Bibl.