238 Zweites Buch. VII. Das Zeitalter des Rittertums und des Minnedienstes.
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Schloß Wildensteiu an der Donau.
allgemeine Unsicherheit zn schützen. Womöglich anf Bergeshöhen oder wenigstens auf Hügeln,oder auch in Gewässern und Sümpfen, anf natürlichen oder künstlichen Inseln, wurde, schwerzugänglich, oft völlig sturmfrei, das feste Hans des Ritters aus mächtigen Steinmauern er-richtet. Eine Burg sollte indessen nur besitzen, wer dreißig Pfund jährlich einzunehmen hatte.Wir haben (S. 208) bereits erwähnt, wie seit dem zehnten Jahrhundert, als in deutschen Landenfeste Plätze aufkamen, dieselben sich einerseits zu Städten mit aufblühenden Gemeinwesen freierBürger, anderseits zn Burgen entwickelten. Doch blieb, lvie dort, so auch hier der erste, ursprüng-liche Zweck nicht der einzige. Die Burgbesitzer hatten Familien, und der heilige Herd des Haus-wesens galt auch in ihren Kreisen für das Symbol der Geschlcchtszusammcngehvrigkeit und gabdem Ritterwesen eine Weihe, ohne die es eben nichts als eine in gewissem Grade organisierteGemeinschaft von Raufbolden gewesen wäre. Es ist somit die Franenminne, welche ungeachtetseiner Ausschreitungen das Rittertum zu einer maßgebenden Erscheinung in der Kulturgeschichtestempelt — zu einer eigentümlich gearteten Gesellschaftsgruppe, in welcher sich nicht nur Anstandund Sitte, sondern auch, lvie wir weiterhin sehen werden, die Kunst des Sanges, die „froheWissenschaft", zn einer ihre Zeit beherrschenden Macht erhoben hat.
Hanptbcdingnng bei den Burgen war lvie gesagt Festigkeit, womöglich Uneinnehm-barkcit. Schloß Wildenstein an der Donau z. B. war auf zwei spitzen Felsenkegcln errichtet,zwischen denen ein hoher Turm stand, welchen Zugbrücken mit beiden Kegeln verbanden, so daßim Notfalle beide isoliert werden konnten. Schloß Fleckenstein in Elsaß war einer Felsspitzeso aufgepaßt, daß Mauer und Fels zusammengewachsen schienen und der hohe Hauptteil derBurg majestätisch über die kleineren Felskegel emporsah, die ihn und die zwischenlicgendenNebengebäude schützend umgaben und selbst wieder von einem Wassergraben eingeschlossen waren.Die Wartburg in Thüringen, der Hohentwicl in Schwaben, der Kynast in Schlesien warenweitere, beinahe unersteigliche Felsenncster. Der Zugang zn allen Burgen wurde von den für