254 Zweites Buch. VII. Das Zeitalter des Rittertums uud des Miuuedieustes.
den sie trafen oder aufsuchten. Blieb der Besiegte am Leben, so mußte er „Sicherheit" bieten,das heißt sich auf Gnade und Ungnade ergeben; that er dies nicht, so wurde er kurzweg er-mordet. Ulrich von Lichten stein wurde einst in seinem eigenen Schlosse von zwei Elenden,die er für seine Freunde hielt und bewirtete, überfallen, gebunden und über ein Jahr langgefangen gehalten. „Die Leiche des in der Fehde Getöteten blieb liegen, bis ein Mitleidigersie begrub oder Leute zu ihrer Bestattung herbeiholte. Wachte einer bei dem Leichnam, sozog er mit dem Schlverte einen Kreis um denselben, nm die bösen Geister zu bannen. Warein Kirchhof nahe, so beerdigte man die Leiche auf ihm; die Rüstung aber wurde an einen
Baum in der Nahe des Grabesaufgehängt." So verschwisterten sichGrausamkeit und Aberglaube, undwären nicht Kunst und Litteraturjener Zeit gewesen: wir wären ver-sucht, in diesen Rittern lediglichgeharnischte Barbaren zu erblicken.
Solche Zeiten wilder Kampf-lust waren einem hohen Alter nichtgünstig. Auch die Ritter, welche ausTurnieren, Fehden und Kriegen mitdem Leben hervorgingen, mußten baldaufgerieben werden durch die er-littenen Strapazen. Dazu kam diedurch die Kirche eingeprägte Furchtvor jenseitigen Strafen für Zncht-losigkeit aller Art. Die letzten Tageeines alten Ritters vergingen daheroft unter strengen Bußübungen undendeten mit der demütigen Em-pfangnahme der Sterbesakramente.War der Tod eingetreten, so wurdedie Leiche des Vornehmen einbalsa-miert, die Eingeweide aber in einerKirche besonders bestattet. Den Leich-nam selbst hüllte man in Seiden-stoffe ein und legte ihn auf dieTotenbahre. Fürsten ruhten ausdieser im vollen Ornate mit derKrone auf dem Haupte; man stelltesie in der Kirche aus und umgabsie mit brennenden Kerzen. Oftwurden die Leichen hoher Personen fortgeführt, um an einem schon früher bestimmten Ortebestattet zu werden, je nachdem es die Angehörigen für gut fanden oder die Toten selbstes angeordnet hatten. So wurde Anna, die Gattin Rudolfs von Habsburg, dieI28l in Wien starb, nach Basel gebracht. „Ihr Haupt wurde mit einem weißseidenenSchleier umhüllt, eine vergoldete Krone ihr aufgesetzt. Darauf wurde sie in den aus
Buchenholz gefertigten Sarg gelegt, die Hände auf der Brust gefaltet, und dann derSarg mit Eisenbeschlägen verschlossen. Mit vierzig Pferden wurde sie nach Basel geführt,begleitet von zwei Dominikanern, zwei Franziskanern und so viele» Edelfrauen, als dreiWagen tragen konnten; ihnen schloffen sich etwa 4IIII Männer an." Fand ein solcher Transportnicht statt, so wurde bei Vornehmen meist ein Steinsarg verwendet, und ihr Bestattnngsplatzwar dann vor einem Altare, wenn sie aus Demut nicht einen geringern wählten. Eine Stein-platte oder ein Denkmal bezeichnete die Stelle, meist mit kurzer Inschrift, und die Waffen
Fehde: Berennnnc, und Berteidunnia einer Burg.
Aus den Miniaturen der Heidelberger (ehemaligen Manesseschen) Lieder-hnndschrift. Um 1300. Heidelberg, Univ-Aibl.
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