Trist an und Isolde. Geistliche Dichtungen.
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französisch das am Hofe herrschende lockere Leben. Aber die Tiefe der ovn ihm geschilderten,obwohl unerlaubten, Leidenschaft, die Reinheit der Sprache und Ausdrucksweise, selbst in denbedenklichsten Lagen, die Farbenpracht der Schilderung sind wahrhaft deutsch, und der alteElsässer hat seine westfränkischen Vorbilder tief in den Schatten gestellt. Unnütze Spielereienin Versbau und Allegorie«! brachte jedoch auch dieser Dichter einem damals auftauchendenZeitgeschmäcke als Opfer dar.
„ Tristan und Isolde" entstand um l 21 6 und blieb unvollendet. Warum? Das istuns ebenso unbekannt, wie es der beiden großen Dichter Lebensnmstünde sind. Verzehrte denSänger die Leidenschaft, die er an seinem Heldenpaare so unnachahmlich ergreifend geschilderthatte? — — — Er blieb der einzige in seiner Art; die Wirksamkeit seiner Schule verlor sichin geistlose Trivialität.
Zahllos ist die Menge der Nachahmer und Nacheifeber Wolframs und Gottfrieds, aberklein nur ihre Begabung und gering ihr Gelingen. Sie sanken zuletzt zu Reimchronisten herab;originell ist nur, daß Rudolf von EmS in seinem indischen Prinzen Josafat, vielleicht ohnees zu ahnen, das Leben des großen Nirwana-Denkers Buddha besang, und daß Konrad vonWiirzbnrg einen seiner dichtenden Vorgänger, Wirnt von Grafenberg, den Verfasser desArtusromans „Wigalois", znm Helden eines epischen Gedichtes machte, welchem als vielherrlicheFrau die „Welt" erscheint, die er einst besungen, vorn blendend schon, aber im Rücken ein vonUngeziefer und Wunden wimmelndes Schreckbild, worauf er erschüttert als Kreuzfahrer Bußethut. Konrad machte sich mit dieser Allegorie znm Organ des geistlichen Eiferns gegen dieweltliche Dichtung, dessen wir oben (S. 258) gedachten, einer Strömung, welche zu den Folgenjener Vorteile gehörte, die das Papsttum im Kampfe um die Investitur über den Staat errungenhatte, und die schließlich so weit ging, die Dichtkunst als das Erzeugnis von Einflüsterungenunreiner Geister in die Ohren der Dichter auszugeben.
Dichter an ihren Pulten: anS dem „Lustgarten" der Äbtissin Herrad von Landsperg: IM.ö—1175.
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Die Kirche stellte darum dieser „sündhaften" Litteratur eine Flut von Legendenund biblischen, überhaupt geistlichen Dichtungen, z. B. die von Theophilus, dem Vor-bilde des Faust*), entgegen und wußte selbst den Fortsetzungen der weltlichen „Kaiser-chronik" eine geistliche Färbung zu verleihen. Diese dichtenden Kleriker rangen indes nichtnach dem Lorbeer, sondern nach der Dornenkrone des Märtyrers, und ihre Werke sind meist
*) Theophilus ist der Sohn einer Äbtissin; er wird von einem Einsiedler erzogen, kommt zu hohenEhren und soll selbst Bischof werden Aus Demut schlügt er diese Würde aus Als er aber von dem anseiner Statt gewählten Nachfolger zurückgesetzt wird, bedauert er die frühere That der Demut. Er sucht beieinem Zauberer Hilfe. Dieser bestimmt ihn, sich dem Teufel zu überantworten, um durch dessen Machtin alle Ehren und Würden eingesetzt zu werden. Theophilus sinkt immer tiefer; aber das; er von der Wohl-thätigkeit nicht lassen kann, bringt ihn mit dem Teufel in Streit. So findet er den Weg zur Reue; die