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Erster Band.
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278
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278 Zweites Buch. IX. Wissenschaft und Kunst in der Glanzzeit des Kaisertums.

Hunderts mit neuen, frischen und kecken Gedanken. Höher als Herrads Werk stehen, vermögeneuer Gedanken, die sie ausdrückten, die Bilder zu Wernhers von Tegernsee „Liet von derMaget" (ll73) und zu Veldekes „Eneidt" (S. 262). Bemerkenswert wegen der Schönheitder Menschengestalten ist das Matutinalbnch (Morgenchorbuch) des Mönches Konrad vonScheiern. Aber auch diese Blüte am Baume der Kunst mußte neuen Erscheinungen Raumgeben. Im dreizehnten Jahrhundert wurden die schon früher üblichen Monatsbilder derden Evangelien-, Psalmen- und Gebetbüchern beigegebenen Kalendarien besonders beliebt, welchedie wirtschaftlichen Verrichtungen in den einzelnen Monaten darstellten und bisweilen nicht vornackten Figuren zurückschreckten. Bemerkenswert sind in dieser Richtung der Psalter des Land-grafen Hermann von Thüringen und das Gebetbuch seiner Schwiegertochter, der heiligen Elisabeth.

Von den älteren Werken der Wandmalerei hat nur sehr wenig dem Zahne derZeit widerstanden. Zu Oberzell auf der Insel Reichenan sind neuerdings schätzbare Bilderdieser Art unter der Tünche späterer Zeit entdeckt worden. Dagegen kam dieser Kunstrichtungvorzüglich „der großartige Aufschwung zu gute, welchen der romanische Baustil erlebte." Siezehrte indessen von alten Überlieferungen; nur machte sie „der höhern Bildung des Auges,dem gesteigerten Dränge nach seelischer Wahrheit" Zugeständnisse. „Die Formen gewannen anAdel und an Richtigkeit; die Geberdensprache wurde ausdrucksvoller" (Janitschek). Rheinland,Westfalen und Sachsen besitzen die hervorragendsten mittelalterlichen Wandmalereien; besonderserwähnenswert sind die zu Schwarzrheindorf bei Bonn und in- der Abtei Brauweiler beiKöln, beide aus dem zwölften Jahrhundert, die Apostelbilder für St. Kunibert und die Heiligenvon St. Gereon in Köln aus dem dreizehnten Jahrhundert. Auch Bürger- und Stadthäuserschmückten sich mit Wandbildern, aber weltlichen Inhalts. Bemalte Holzdecken zierten die roma-nischen Basiliken. Die Schöpfungen der Tafelmalerei fanden steigende Verwendung für denAltarschmnck. In der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts konnte in der deutschen Malereidie volkstümliche Richtung bereits als siegreich gelten.

Auf dem Gebiete des Kunstgewerbes blühte im Übergänge vom nennten zum zehntenJahrhundert, ja schon seit Karl dein Großen (S. 1tt!>) die Goldschmiedeknnst. Sieerhielt durch die byzantinische Heirat Kaiser Ottos II. neue Anregungen und Verbesserungenvom Bosporus aus, wo sie besonders geschätzt war; ebenso die Emaillierknnst, die Edelstein-fassung und die Filigranarbeit. Aus jener Zeit sind uns kostbare Goldkreuze, Bücherdeckelaus Gold und Elfenbein, Reliquienkästchen, die berühmte Kaiserkrone in der Schatzkammer zuWien und anderes mehr erhalten. Die Kirche, namentlich die Klöster und die Bischöfe zur Zeitihrer Macht und Bedeutung, begünstigten diese Arbeiten in hohem Grade. Hierin zeichnetensich besonders Egbert von Trier (S. 152), Bernward von Hildeshcim und Mcinwerk vonPaderborn aus. Unter den späteren Mönchen war Ruggerus in Helmershansen (um 1100),selbst Goldschmied und Verfasser eines Handbuches der Knnsttcchnik (Lobsänln äiversarumai'tium) unter dem Namen Theophilns.

In der dann folgenden Zeit des Rittertums, der Kreuzzüge und der romanischen Bau-kunst bewahrte das Kunstgewcrbe seine vorzugsweise kirchliche Richtung. Voran steht nochimmer die Goldschmiedeknnst, deren der kirchliche Kultus für seine Prunkgeräte so sehr be-durfte. Vom byzantinischen Einflüsse haben sich die Künstler jetzt aber völlig befreit, undman hielt sich nun im Material weniger an Gold, als an vergoldetes Silber, Kupfer undErz. Zur schönsten Vollendung gedieh im Rheinlande die Ausübung der Schmelzkunst; an dieStelle des byzantinischen Zellenschmelzes trat der deutsche Grubenschmelz. Tragaltärchen, Leuchter,Kelche, Kruzifixe, Hostienbehälter und andere Knltnsgcräte wurden in ansehnlicher Zahl undoft großer Schönheit gefertigt. Die Tragaltärchen, welche Reliquien enthielten, wurden meistaus gold- und silbergefaßtem Marmor gearbeitet und mit Kristallen und anderen kostbarenSteinen reich und glanzvoll ausgelegt. Größeren Reliquienschreinen gaben die Künstler mitVorliebe die Form einer Kirche.

Auch das Eisen wurde damals in den Bereich des Knnstgewerbes aufgenommen undbesonders zu kunstvoll geschmiedeten Thürbeschlügen und Gittern verwendet. Im Mobiliardagegen trat statt des Metalls und Steins das Holz seine Herrschaft an. Man begann die