Die Tracht bis zum vierzehnten Jahrhundert.
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überaus lange Hängeärmel am Ellbogen machten sich gegen Ende des zwölften Jahrhundertsnoch energischer geltend; dabei wurden die Kleider wie der Mantel lang, schleppend, letzterer mitPelzwerk, namentlich Kleinspalt (Fehbauch), gefüttert. Den Kopf hüllten weite, wallende Schleierein (Fig. 9). Das Kostüm der Männer gewann an Länge; der bortus äelieiarum (S. 272) zeigtuns bereits unten ansgezattelte, halb geteilte Tuniken (Fig. 7), deren rechte und linke Hälfte ausverschiedenfarbigen Stoffen gefertigt waren — eine Tracht, die aber wahrscheinlich nur vonden Dienern, namentlich den Waffendienern, getragen wurde. Das Beinkleid, welches bereits imelften Jahrhundert enger geworden war, blieb im zwölften ebenso. Der Schuh mit mäßigerSpitze (Fig. 7 u. 8) zeigte reiche Besätze, welche die Erinnerung an den römischen oaleens derKaiserzeit wachrufen. Das Haar wurde lang getragen; der Bart schwand mehr und mehr.
Eine überaus merkwürdige Wandlung zeigte das Ende des zwölften und das dreizehnteJahrhundert. Es war die Zeit der Blüte des Rittertums. Der staufische Aar erhob sich kraft-voll in die Wolken; Minnesang erklang in den deutschen Gauen, und der Frauendienst fordertedie Entwickelung des höchsten Maßes der männlichen und besonders der ritterlichen Tugenden:Mut, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Todesverachtung. In seinem Äußeren dagegen schien derMann geflissentlich alles das zu suchen, was seine Erscheinung weiblich machte. Der Rock wardlang, fast von dem der Frauen nicht zu unterscheiden (Fig. 10 u. 11), so daß die Geschlechtergelegentlich Teile des Anzuges tauschen konnten. Das Haar wallte lang auf die Schulternherab; der Bart verschwand ganz. Auf den Locken Prangte ein Kranz, ein Band oder einStirnreif (Schapel). Aber auch Hüte mannigfacher Form mit Pelz verbrämt (Fig. 12, 13 u. 15),namentlich der ganz mit Pfauenaugen bedeckte Pfanenhut (Fig. 14), waren sehr beliebt, oderWülste, aus denen weite Stoffmassen schleierartig herabfielen (Fig. 13). Der Hut hatte häufigeine Kinnschnnr, so daß er auf dem Rücken getragen werden konnte, wenn er den Kopf nichtdecken sollte. Man trug Über- und Unterkleid (Fig. 10), das erstere lang, fast schleppend, reichmit Borten geziert, nicht immer gegürtet. Meist aber war der Rock gegürtet, und der Gurttrug dann auch das Schwert (Fig. 11). Über den Rock wurde der Mantel gelegt, der beideSchultern deckte und dessen obere Enden durch eine Schnur verbunden waren. Am Gürtel hingdie Almosentasche. Der Schuh war mäßig spitz. Auch das Kostüm der Frauen war vornehmund schön (Fig. 16 n. 17). Die Tunika wallte bei mäßiger Weite auf die Füße herab, sie wardurch einen verknoteten Gürtel mit langen Enden an der Hüfte geschürzt und legte sich unterder Halsgrube auf den Hals. Häufig wurde ein Übcrkleid ohne Ärmel, meist mit Pelz gefüttert,über dem Rock getragen, die Sukenie (Knrsit? Fig. 16). Niemals aber sollte eine anständigeFrau außerhalb des Hauses ohne den auf den beiden Schultern liegenden Mantel erscheinen,in dessen Brnstschnnr sie zwei Finger der rechten Hand zu legen hatte, während die Linke dieFalten des Mantels oder des Kleides hob (Fig. 17). Die Haare waren in der Mitte gescheiteltund fielen frei auf den Rücken herab, durch einen Stirnreif (Schapel) oder einen Blumenkranzgehalten. Häufig wurde ein hoher, mit Pelz verbrämter, ausgezackter, barettartiger Reis vonStoff getragen, das Gebäude, au welches sich ein Kinntuch, die Riese, anschloß (Fig. 16), oderes wurde ein Schleicrtuch unter den Schapel gelegt (Fig. 17). Auch Kopf und Hals waren inSchleier gehüllt, die sich teilweise über das in Haarnetze geborgene Haar legten (Fig. 19), oderder Kopf wurde, namentlich bei Matronen, von einer Art Kapuze bedeckt (Fig. 18), die amMantel angebracht war. Auch Strohhüte fanden sich schon, namentlich bei den niederen Ständen.
Allein mit dem Untergang des idealen Rittertums der Minnesänger in der wilden Zeit desInterregnums schwand auch der edle, fast antik-schöne Zug in den Trachten. Das Kostüm desMannes wurde eng bis zum Platzen, und da man einen derartigen Rock nicht über den Kopfziehen konnte, so schnitt man ihn auf und schloß ihn vorn durch Knöpfe. Es war damit dieMöglichkeit der Knappheit des Kleides, das durch Wattierung noch faltenloser gemacht wurde,wesentlich gesteigert, aber auch mit einemmale jede antike Tradition beseitigt. Der moderne Rockalso ward im vierzehnten Jahrhundert geboren. Man legte den Gürtel des Rockes nunmehr nurals Schmuckstück um die Hüften (Fig. 21). Hals und Kopf waren in die Kapuze, die Gugel,Huudsgugel, gekleidet, unter welcher oft noch der Schapel getragen wurde (Fig. 21 u. 23). DieÄrmel des engen, an der Seite häufig aufgeschlitzten Lenduers hatten entweder herabhängende