Band 
Erster Band.
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Beilage zu Seite 282 und 26Z:

Erläuterung zu den Darstellungen auf einem

Brautschmurkkästchrn aus dem 14. Jahrhundert.

Das Rästchen entstammt der Mitte des Jahrhundertsund war vermutlich im Besitz einer Schweizer Familie; nachForm und Größe ist zu schließen, daß eine Brautkrone in ihmaufbewahrt worden sei. Es ist achteckig, aus dünnen Brettchenund Papierschichten verfertigt und mit gewöhnlichem dickenSohlleder überzogen, aus dem die Darstellungen in schwacherhabener Arbeit hervortreten. Dieselben sind nach Tracht undDrnainentik, wie nach ihrem Gegenstände, eine Liebeswerbung,für den Geschmack des Jahrhunderts typisch. In fünfBildern, vier auf den Seitenflächen und eins auf dem Deckeldes Rästchens ist die Werbung eines Jünglings um die Liebeeiner Dame dargestellt. Erstere vier Szenen bilden wir hier(nach den Zeichnungen von Stantz) ab.

was sich die Beiden sagen, ist auf den Bändern zu lesen,

magst du wohl wenig Verstand haben.

Er läßt sich durch die unfreundlichen Worte nicht beirrenund obwohl im zweiten Bilde die Jungfrau sich von ihm

dann will ich erhören dich.

Aber auch dadurch läßt er sich nicht abschrecken; im viertenBilde hat er erreicht, daß die Jungfrau sich ihm wieder zu-wendet; sie spielt zwar noch gleichgültig scheinend mit ihren:

beharrlichen Liebhaber. Mit wohlgepflegtem Haar und Bartkniet derselbe jetzt vor ihr; er zeigt zur Bekräftigung seinerVersicherungen eine um seinen Hals geschlungene Rette, wirdaber nochmals abgewiesen:

wollt Ihr mir nicht gnädig sein,

so klage ich es Frau Venus kläglich.

Jungfrau: ^Vilt äu von äinsr minns

Jetzt wendet er sich an Frau Venus; sie ist auf dem Deckeldes Rästchens, einer Madonna sehr ähnlich, dargestellt; linksund rechts neben ihr knieen Jungfrau und Jüngling; zwischen

und ivis dins dieners Isitvertrip.und sei deines Dieners Leidvertreiberin.Jungfrau: krön Venus, (snnder nun),

Frau Venus, zweifelt nicht.

iu >vil iesi nesen unäertnnLuch will ich sein Unterthanund du bi Zause triuvve bün.und dabei ganze Treue haben.

Solche Wechselreden zwischen Liebenden und der FrauVenus, und an diese gerichtete Klagen, sind in der höfischenLyrik des ^3. und Jahrhunderts nicht selten und manchestehen nach Inhalt und dichterischer Form weit über der hiermitgeteilten, so bei Ulrich von Liechtenstein, Herzog Heinrichvon Broslan, walther von der Vogelwcide.

(Bach L. LttmüUer in: Mitt. d. ant. Ges. i. Zürich.)