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Zweites Buch. X. Trachten und Waffen des Mittel alters.
die übrigens schvn dem Altertum bekannte Form des Kettengeflechtes, bei der vier ver-nietete Ringe in einen fünften greifen (Fig. 17). Die Brünne deckt den ganzen Oberkörper,auch die Hand, und durch das Hcirsenier auch das Haupt (Fig. 16). Der Waffen rock,die darunter getragene Tunika, wird unter der Brünne sichtbar. Das Bein steckt in derPanzerhose, der Schild an der Fessel ist noch spitz. Bald wird der Waffenrock über die Brünneangelegt (Fig. 19), nnd ist nun ein Prachtkleid, welches mit den Emblemen des Ritters geziertund oft mit Pelz gefüttert wird. Unter der Brünne trägt der Ritter den dickwattiertenGambison, aber auch noch andere wattierte Schutzbinden. Der Topfhelm gewinnt einen mehr
oder minder konischen Abschluß gegen die Glockezu; er hat Augeuschlitze, den Querschranz, undwird mit Schnüren (Fig. 24, 25, 26) unter demKinn festgebunden. Beim Turnier, aber auch imKampf bekommt er eine Helmzier (Zimier,Fig. 22, 24, 25, 36, 37). Der Kopf ist be-sonders sorgfältig bewahrt; unter dem Hcirsenierträgt der Mann die wattierte Kappe, die Batwät,auch einen Hut, eine Gupfe. Meist setzte manunter den Topfhelm noch eine metallene Hirn-haube, die Kesselhaube auf (Figur 33 u. 36). DasHärsenier wurde durch die Fanteile (ventaille) amGesichte festgezogen (Fig. 11 u. 16). Der Helmward später auch an einer Kette getragen, weil ernur vor dem Kampf aufgebunden ward; diebeiden auf Seite 292 und 293 abgebildeten Grab-steine sind Beispiele dafür. Kleine Kreuzaus-schnitte am untern Rande (Fig. 27, Helm desschwarzen Prinzen Eduard von Wales, 36, 37)nahmen den Knebel der Kette auf. Auch trugmau bereits breitkrempige Eisenhüte (Fig. 23).Zum Schmuck, vielleicht auch zum Schutz gegenSonnenbrand wurden prächtige Helmdecken auf denHelm gelegt (Figur 22, 36, 37, 45). Der Topf-helm ließ den untern Teil des Gesichts, nament-lich den Hals unbedeckt; mau schnallte daher einenKinnschutz, die Barthaube, an (Fig. 23), den manbald organisch mit dem Helme verband (Fig. 25und 26) und der endlich als besonderes Rüststücküber das Kinn geschnallt wurde (Fig. 28, 40, 41,43), während die frühere unter dem Topshelmgetragene Hirnkappe sich zur Beckenhaube, Kessel-haube (bassinst) entwickelte, an welche sich wiederdas Kettengeflecht der Halsberge anschloß (um1300) (Figur 33 und 36). Die Kesselhaube er-höhte sich, die Halsberge bekam einen Nasenlappen(nasal, Fig. 36), der die Nase schützte und durcheinen Rciber in ein Ör der Beckenhanbe geschoben ward. Die Beckenhaube hatte zuerst einenhorizontalen unteren Rand (Fig. 33), fiel aber in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahr-hunderts hinten immer mehr den Nacken schützend herab, bekam ein Visier mit Gesichtsschutz(Fig. 37) und ward zur großen Kesselhaube mit Visier (Fig. 39). Bisher hatte man im Kampfallgemein und oft auch im Turnier den Topfhelm, Stechhelm, über die Beckenhaube gesetzt. Sowieder Helm das Visier (Fig. 39) erhielt, war das nicht mehr nötig. Man gab gegen Anfangdes fünfzehnten Jahrhunderts das Tragen zweier Kopfrüstungen übereinander auf.
Kaiser Ludwig der Baier.
Lebensgroßes Relief in rotem Sandstein, einst an den Zinnendes Kaufhauses in Mainz, 1313 vollendet; stellt den Kaiserin der vollen Ritterrüstung des ersten Viertels des 14. Jahr-hunderts dar. Mainz, städt. Museum.