Band 
Erster Band.
Seite
298
JPEG-Download
 

298 Zweites Buch. X. Trachten und Waffen des Mittelalters.

kommen auch gefingerte Handschuhe vor. Ein Schild war nur noch zum Turnier nötig, beiwelchem er die Form der Fig. 39 (von innen gesehen Fig. 58) annahm. Er hieß Tartsche.Figur 59 zeigt den Schild der Fußkämpfer im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert,Pawese; noch später war eine runde Form (Uonäaebss) im Fnßkampf in Gebrauch.

Der Turnierharnisch des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts (Fig. 56) warsehr schwer und unbeweglich; aber es fehlte ihm häufig Arm- und Beinzeng, weil die Brech-scheibe der Lanze (Tartsche) und der Stechsack des Pferdes die Glieder schützten. Der linkeArm hatte beim deutschen Gestech oft eine Rüstung von enormer Schwere; die Hand warschaufelförmig, das Brüstel war rechts abgeplattet; es trug die Rusthaken, welche die vorn imRasthaken liegende Lanze festhielten. Der Arm gab der Lanze nur die Richtung. Der Helmmit von unten gedeckter Gesichtsschranze war sehr schwer und durch Brust- uud Zagelschraubeam Brüstel befestigt. Die Schosseln hatten Folgen (sie wurden geschoben). Die Turnierlanzebesaß eine stählerne Brechscheibe (Fig. 52) und eine häufig stumpfe Spitze (Krvnchen, Fig. 53,von oben gesehen Fig. 54). Man unterscheidet den Harnisch zum Rennen oder Stechen, derin Fig. 56 gezeichnete ist ein Stechzeug ebenso Fig. 53 ein Stecheisen.

Der Sporn war zuerst einfacher Stachelsporn (Fig. 15 u. 19), bekam aber im drei-zehnten Jahrhundert schon Räder (Fig. 33, 36, 37). Im vierzehnten Jahrhundert, ward dasRad achtspitzig. Der Hals verlängerte sich (Fig. 51), und ward im fünfzehnten Jahrhundertunförmlich lang (Fig. 50), mit achtspitzigem Rade.

Ritterliche Waffen waren nur Lanze, Schwert, Dolch; in früher Zeit besonders daseinschneidige Kurzschwert, wie es Kaiser Otto zweihändig in der Schlacht bei Bouvines führte,ebenso der Streitkolben, die Streitaxt. Bogen und Armbrust waren nicht ritterliche Waffen,obwohl Kriegswaffen. Der Ritter führte sie nur auf der Jagd. Der Speer war bis zumdreizehnten Jahrhundert eine glatte Stange bis 3>/„ Meter Länge, die Speerspitzen warenlanzett-, blatt- und pfriemenfvrmig gebildet (Figur 1, 29, 30, 31, 32). Im dreizehnten Jahr-hundert bekam die Stange einen Faustschutz (Figur 21, 33, 39), welcher durch die Brechscheibeim vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert (Fig. 52) noch verbessert ward. Der Speer hatteeinen farbigen Wimpel (Fig. 21), der im vierzehnten Jahrhundert allmählich verschwand,während die Speerstange nun häufig bemalt ward.

Das Schwert war zweischneidig, zuerst mit einer kurzen geraden Parierstange, einersehr breiten, gegen den Ort (die Spitze) abfallenden Klinge ohne Blntrinne, im elften Jahr-hundert aber mit einem gegen die Hilfe (den Griff) meist gerade abschließenden Knauf(Fig. 4, 13, 14) versehen. Der „Ort" blieb bis zum zwölften Jahrhundert stumpf und rund;im zwölften fielen die Schneiden gegen die Spitze ab (Fig. 19). Die Parierstangen neigtensich häufig gegen den Ort. Der Knauf ward rund (Fig. 20, 34). Im dreizehnten Jahr-hundert erhielten die Klingen häufig zwei Blutrinnen, während sie vorher nur eine hatten.Die Schneiden liefen fast parallel und ließen eine stumpfe Spitze entstehen; das vierzehnteund fünfzehnte Jahrhundert kehrte aber wiederum zu den spitzen Schwertern des zwölftenzurück und fertigte überaus geschmeidige Klingen ohne Blutrinnen von bedeutender Länge, beiFigur 38 sogar 1,17 Meter lang. Auch der Griff ward sehr laug zu zweihändigem Gebrauche(Fig. 38 u. 43), ebenso die Parierstangen, die man gerade oder nach dem „Ort" gebogen undau den Enden verziert trug. Der Knauf hörte auf, rund zu sein, und gewann verschiedeneFormen (Fig. 44, 46). Figur 60 zeigt den Pfriemenförmigen Dolch des fünfzehnten Jahr-hunderts. Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert wurden Schwert und Dolch oft auKetten getragen, welche an der Brustplatte unter dein Lendner befestigt waren (Fig. 33 und dieGrabsteine auf S. 292 u. 293). Auch die früher erwähnte Helmkctte war an dieser Brust-Platte angebracht.

Allein schon war eine Zeit angebrochen, welche der ritterlichen Rüstung und dem hoch-angesehenen Gewerbe der Plattuer (Harnischmacher) für immer den Untergang brachte.