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Erster Band.
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Ceremonie der Lehenserteilung. Z07

bei seinem Ankleidezimmer abund legte den schweren gol-denen Kaisermantel und dieKrone an. Dann schritt erim Kaiserschmuck und derKrone mit großem Zuge aufdas Gerüst und setzte sich aufden Kaiserstuhl, weit sichtbar,sehr stattlich. Zur rechten undzur linken Hand saßen dieKurfürsten, welche die Reichs-kleinodien im Zuge getragenhatten: Mainz das Evan-gelienbuch zum Schwur, Sach-sen das Schwert, Branden-burg den Scepter, Rheinpfalzden Reichsapfel. Darauf ritt,bis dahin unsichtbar, derRennhanfe des fürstlichenVassallen heran, welcher dasLehen erhalten sollte. Eswaren seine Untervassallen undReisigen, in seine Farben ge-kleidet, die Edelleute darunterin Sammet mit Federn, allekleine Fähnlein in den Händenoder auf den Häuptern derRosse; in der Mitte aberführte der Haufe die roteRennfahne, die auch die Reichs-fahne oder Blutfahne genanntwurde. In gestrecktem Roß-lauf umrannte die Schar dasGerüst mit dem Kaisersitze —die schnelle Gangart dabei warein uralter Brauch der Deutschen, die auch beim Turnier so gegeneinander ritten, während dieRomanen sich nnr im Trabe hielten. — Nachdem der Kaiserstnhl zum erstenmal „berannt" war,ritten die Boten des Vassallen heran, Rcichsfürsten von seiner Freundschaft; sie stiegen vor demGerüst ab und knieten auf den Stufen nieder. Knieend bat der Sprecher unter ihnen den Kaiserum die Erteilung der Lehne. Darauf stand Mainz auf, besprach sich mit dem Kaiser, dem lautzu reden gar nicht zugemutet wurde, und antwortete, daß der Kaiser bereit sei. Hatten dieBoten wieder ihre Rosse bestiegen, so kam nach dem zweiten und dritten Rennen der Blntfahneder Rcichsfürst selbst unter Trompeten- und Pankenschall mit seinem Gefolge und einem Reiter-hansen in allem Glanz, den er aufzubringen vermochte, angeritten, — vor ihn: alle Fahnenseiner Lehen, deren Bilder in den Wappenfeldern unsrer alten Familien noch erhalten sind.Auch er ritt im Galopp an das Gerüst, stieg ab und kniete nieder. Dann legte Mainz dasEvangelienbnch in den Schoß des Kaisers, der Kaiser faßte mit beiden Händen die oberenEcken, der Lehnsfürst legte die Hand aus das Buch und schwor den Vassalleneid. Darausergriff der Kaiser das Schwert am Kreuzgriff und bot den Knopf dem Vassallen; dieser faßtedaran und küßte den Knopf; war er aber ein geistlicher Fürst, so wurde ihm statt dessen dieSpitze des Scepters geboten. Darauf wurden die Fahnen gebracht, zuerst die Blntfahne, danndie Lehensfahne»; der Kaiser faßte mit der Hand an jede, und tiefer unten der Vassall.

mit der Markgrafschaft Brandenburg.

zu „Kostnitz" (1414—18); Bilderhandschrift um 1417 ausgeführt. Konstanz, Stadtbibliothek,gegenüber stehenden Seiten;

auf der andern der Burggraf, die bereits empfangene Lehensfahne mit dem roten branden-burgischen Adler in den Händen. Unten der Nennhaufe.