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Drittes Buch. I. Dürsten und Staude.
Waren die Fahnen angefaßt, so wurden sie von dem kaiserlichen Herold Germaniens unter dasschauende Volk geworfen, die Leute rissen sich darum und trugen die Fetzen als Beute heim.Als so z. B. im Jahre > ',60 bei der Belohnung des Kurfürsten August durch Maximilian II.ein kecker Reiterknabe die Fahne des Herzogtums Sachsen — die mit dem Rantenkranzebehend ergriff und unversehrt entführte, freuten sich die Sachsen über das gute Vorzeichen, undder Reiter erhielt eine Belohnung. Nicht immer aber ging dieser Akt der Belohnung ohneZwischenfall vor sich. Als im Jahre Karl V. die Herzoge Jörg und Barnim von
Pommern belehnte, erhob sich Kurfürst Joachim von Brandenburg nach dem ersten Rennender Pommern und wahrte in schöner Rede seine Ansprüche auf die pommerschen Lande, undals darauf die beiden Herzoge knieend an die Fahnen faßten, trat auch er hinzu und faßtegleichfalls mit der Hand an die Stangen. — Der Belehnte trat dann unter die Fürsten aufdem Gerüst. War allen Werbern ihr Lehen erteilt, so kehrte der Kaiser in feierlichem Ingezu seinem Ankleidezimmer zurück, legte die Bürde des KaiserschmnckS ab, verabschiedete freundlichdie Fürsten und ritt nach seiner Herberge heim."
lllierbringumi von Geschenken für empfangene Lehensbelehnnng.
SIuS den Darstellungen in Ulrichs von Richental Chronik; um 1417. Konstanz, Stadtbibliolhek.
Die Entwickelung der Reichsznstände unter den Nachfolgern Rudolfs I., welche wirbereits kurz charakterisierten, war ganz dazu angethan, die Kaiserwürde und damit auch dieWürde des Reiches zu gnnsten der Sonderfürsten immer tiefer herabzndrücken. Die Kaiser oderKönige selbst halfen dazu, indem sie, solange die Wahlkrone ihrem Hanse gehörte, für dieses so vielLandbesitz wie möglich zusammen zu bringen strebten. Verderbliche Bürgerkriege wüteten zwischenAdolf von Nassau und Albrecht von Österreich, zwischen Friedrich von Österreich und Ludwigvon Baiern. Der Mordstahl eines Verwandten raffte Albrecht, das Gift Italiens «wenn auchnur allgemein als verderbliche Einwirkung dieses Landes verstanden) Heinrich VII. von Luxem-burg hin. Letzterer und Ludwig der Bgicr nahmen die Politik der Staufcr gegenüber Romwieder auf und gingen in diesem verzehrenden Kampfe, der damals zugleich ein solcher gegenFrankreich, die Schntzmacht des gesunkenen und aus Rom vertriebenen Papstes von Avignvnwar, in beklagenswerter Weise zu Grunde. Es half nichts, daß sich an Ludwigs Hofe italie-nische, französische und englische Gelehrte, namentlich Marsilio Raimondini aus Padna, Jeande Jandnn und Wilhelm von Occam, sammelten, deren höchstes Ideal eine Reform der Kirchewar; es half auch nichts, daß die zwei Erstgenannten in der Schrift „Dekknsor paeis^ den