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Drittes Buch. 11. Städteleüen und Städtebündnisse.
dann eine reich gehäkelte Geldbörse mit kölnischen nnd mailändischen Münzen, nebst dem sovft mit unschuldigem Blute geröteten Ratsschwerte aus jener Zeit ruhen noch heute auf demStadtarchive zu Köln."
Neben den Raubrittern trieben auch andere Räuber ihr Unwesen; ein Kaufmann ausSpeier z. B. fiel (1419) in einem Walde in der Nähe von Straßbnrg in die Hände einerRäuberbande und traf unter ihr sogar seinen Schwiegervater, der ihn töten wollte nnd nurunter der Bedingung davon abließ, daß sich der Reisende bei den anderen Räubern für einenihresgleichen ausgab. Auf seine Klage ließ dann der Rat von Straßburg den Wald umstellennnd hob die Räuber auf, die sämtlich hingerichtet wurden. Die Zeit war so entsittlicht, daßjene Räuber in einem Nonnenkloster Zuflucht gefunden nnd mit den lüderlichen Bewohnerinnendesselben ihre Bente verpraßt hatten. Ja, es gab selbst hohe Geistliche, die das Rauben nichtscheuten. Ein Domherr zu Köln, Dietrich von Neuenaar, beraubte >499 den AugsburgerEggert; als dieser bei dem Erzbischof der rheinischen Metropole klagte, wurde er an den Dom-dekan gewiesen, der aber, nachdem er erst in Gesellschaft eines Scholastikns mit dem Beraubtengetrunken, ließ ihn heimtückisch packen, fesseln nnd in ein Verließ werfen, aus welchem ihnjedoch eine listige Magd befreite, die er dann heiratete. Als Eggert später sein Recht suchte und,überall abgewiesen, endlich Fehde anhob, bewirkte der geistliche Räuber indessen nur, daß dieStadt Köln ihn gefangen setzte.
Hörte aber unter dem Zunftregiment die Stärke der Städte im Felde auf, svbegann sie dafür wieder anzuwachsen, sobald die Bürger hinter ihren sorgfältig nnd beständigbewachten und stets verstärkten Ringmauern einem sie belagernden Feinde trotzen konnten. Jetztwaren sie beinahe unüberwindlich, - bis die Feuerwaffen ihre verheerende Wirkung begannen.Die Verteidigung der Städte wurde jedoch zugleich durch ihre zunehmende Ausdehnung erschwert.Es wurden, wie im alten Rom, weitere und wieder weitere Nmwallungen erforderlich. VvmLande wurden Höfe in die Stadt hineinbezogeu, jedoch nicht deren ganze Fläche bebaut; es bliebPlatz für Nutz- und Weingärten. An größeren Flüssen dagegen blühten Hafen- und Handels-vorstädte empor; oft dehnten sie sich über ihre Ufermauern aus nnd wuchsen selbst über denStrom auf dessen anderes Ufer hinüber, mit welchem sie durch Brücken verbunden wurden; svin Köln, Mainz, Bremen, Dresden, Magdeburg.
Dieses Wachstum der Städte und ihr durch Gewerbe und Handel zunehmender Wohl-stand führten notwendig zu Verbindungen mit anderen Gemeinwesen von gleicher Art undgleichen Interessen, um an Stärke und Widerstandskraft gegen die gemeinsamen Feinde vomAdel zu gewinnen. Die großartigste Erscheinung dieser Art, die Hansa*), entwickelte sich aufzwei Wegen: durch die ausländischen Handelsverbindungen und durch den inländischen Bundesschntz.Den Grundstock der ersteren bildete der Handel auf der unter dein Schutze Schwedens stehenden,aber thatsächlich unabhängigen Insel Gotland und in deren Hauptstadt Wisb y. Dort bestandseit etwa > I2ö eine Genossenschaft norddeutscher Kaufleute, die neben der gvtländischen eine eigeneGemeinde bildeten und mit jener den Dom gemeinsam, dagegen den Ostscehandel allein in derHand hatten. Es waren nämlich zuerst von Bremen nnd dann mit mehr Erfolg vonLübeck der deutschen Kultur in den baltischen Landen, namentlich in Livland, neue Bahneneröffnet worden, und so konnte letztere Stadt mit Recht auf die Beherrschung der Ostsee An-spruch erheben. Als sodann im Jahre 1288 Wisby im Kampfe mit Schweden besiegt wurde,ging der Vorsitz in der Hansaverbindung auf Lübeck über, wenn auch das Recht von WisbydaS Gesetz der Ostseefahrcr blieb.
Wie mit dem Händel in der Ostsee, ging es aber auch mit dem in der Nordsee. Schonseit dem Jahre 1999 etwa waren deutsche Kaufleute iu London ansässig; ihre Zahl nahm zu,und dort war es, wo der Name der „Hansa" zuerst als derjenige einer Gesellschaft von KölnerKaufleuten erscheint, die seit etwa 1189 in London die „Gildhalle" und das Monopol desdeutschen Handels besaß, dessen vornehmster Artikel damals der Rheinwein war. Aber auch
*) Das Wort „Hansa" bezeichnet erstens eine Gilde, zweitens eine Abgabe zur Aufnahme in einesolche und drittens eine Buße für Übertretung der Gesetze einer Gilde.