Band 
Erster Band.
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Vernichtung der Vitaliansr. Sinken der Hansa.

Aber immer wieder lebte das Unheil an verschiedenen Orten auf, und die Engländerwaren so unbillig, die Hanseaten, welche doch ani meisten darunter zu leiden hatten, dafürverantwortlich zn machen; sie raubten, was die Vitalianer noch übrig gelassen. Die Grafenvon Oldenburg begünstigten die Verbrecher; ja Herzog Adolf VIII. von Schleswig undHolstein, welcher der Hansa gegenüber den Strandraub „sein gutes Recht" nannte und esauch ausübte, nahm die Räuber in seine Dienste gegen Dänemark, Braunschweig und Mecklen-burg. Friesland wimmelte von ihnen aufs neue, aber der Hansa fehlte es an Einigkeit. Ja,das Ranbvolk fand zu Zeiten des Kampfes sogar in eingeschüchterten Städten, selbst der Hansazugehörigen, Markt für seine Beute. Stach mehr als einem halben Jahrhundert des Greuels undEntsetzens schafften 1433 Hamburg und Lübeck in Friesland Ruhe, und die Vitalienbrüder,zum Teil auch in England und Holland vernichtet, — waren gewesen. Freilich, kleinererSeeraub dauerte hier und dort noch lange fort.

Wie übrigens damals alle Mächtigen, so war auch die Hansa nicht wählerisch in denMitteln, unbequeme Konkurrenten niederzudrücken und ihren Handel zu vernichten. Bei demVorwiegen der Handelsthätigkeit in ihren Mauern konnten denn auch in den meisten ihrerBlindcsstädte die Zünfte der Handwerker nicht zum Siege über die stolzen Geschlechter desRates gelangen. Im Kriegsfalle stellte jede sich beteiligende Stadt deS Bundes im Verhältnisihrer Größe eine Anzahl von Mannschaften. Bedeutender aber als ihr Heer war stets dieFlotte der Hansa. In einem Kriege gegen Dänemark, in welchem der Bund dieses Reichniederwarf, seine Residenz einnahm und im Jahre 1370 im Frieden zu Stralsund, das eineder blühendsten Hansastädte war, die dänische Krone von sich abhängig machte, stellten dieStädte 66 Schiffe mit 2236 Mann, und bei Anlaß eines späteren Krieges (1427) sagt dieLübecker Ehronik mit stolzein Selbstgefühl, die hanseatischen Schiffe hätten den dänischen gegen-über sich ausgenommen wie Kirchen neben Kapellen. Oft waren 106 bis 150 Bewaffnetean Bord eines Fahrzeuges. Völlig einig aber waren die Hansastädte gegen äußere Feindeniemals; stets enthielten sich einzelne, ja oft genug die meisten Bnndesglieder der Teilnahmeam gemeinsamen Vorgehen. Von Seekriegen mußten die Binnenstädte ja ohnehin fern bleiben,und der Mangel des Zusammenhanges ihrer Gebiete war stets ein Hemmschuh der Unter-nehmungen des Bundes. Er wurde um so empfindlicher, je mehr ringsum die großen undstarken Monarchieen Frankreichs, Englands, Dänemarks, Schwedens, Polens und Rußlands,die keine Monopole Fremder mehr duldeten, anwuchsen und je schwächer die Macht wurde,welche den Beruf gehabt hätte, die Hansa nicht nur zu schützen, sondern mit ihr zusammen-zuwachsen: das Deutsche Reich. Diese Umstände untergruben den Bund in einer Zeit, inwelcher die materielle Macht mehr von Soldaten und Kanonen abzuhängen begann, anstattvon Handelsverbindungen und diplomatischer Gewandtheit, diesen beiden Stärken der Hansa.In der Zeit des ausgehenden Mittelalters, in welcher nicht mehr die Städte, sondern die Höfeden Ton angaben, — in jener Zeit sank die Hansa von ihrer Höhe herab. Sie verlor ihreWehrhaftigkeit. Die Zerstörung Wisbys durch die Dänen (1361), die Unterjochung Nowgorodsdurch den Großfürsten Iwan III. Wassiljewitsch von Moskau (1464), der tragische Sturz desLübecker Volkshelden Jürgen Wnllenwever (1537) und die Schließung des Stahlhofes durchdie Köuigiu Elisabeth (1598), besonders aber die Folgen der Entdeckung Amerikas, welche denHandel in die Hände Spaniens und Portugals spielten, waren die Nägel zum Sarge der Hansa.Zn Grunde aber ging der große Bund erst in einer Zeit, die uns hier noch nicht beschäftigt.

Dem Handel der Deutschen im Norden steht, wenn auch nicht ebenbürtig, doch alsinteressantes Gegenbild derjenige im Süden gegenüber. Die Italiener waren das erste Handels-volk des Mittelalters; bei ihnen aber kam keine Stadt an Bedeutung der durch ihre starreAristokratie so mächtigen Laguneustadt Venetiens gleich, welche, ohne Beispiel in der Welt-geschichte, im Jahre 1264 ein großes, in zwei Erdteilen fußendes Reich zertrümmert hatte.Tort und nicht mehr in den Dvuauländcrn war seit dem Höhepunkte der Krenzzüge der Stapel-vlatz zwischen dein Osten und Westen, dem Norden und Süden. Dorthin pilgerten süddeutscheKaufleute mit den Erzeugnissen der deutschen Industrie, um dafür solche der orientalischen wieder venetianischen Natur und Kunst einzutauschen. Sie bewohnten dort neben der vielbesungenen