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Drittes Buch. II. Stiidteleben und Stndtebiinduisse.
Rialtobrücke ein eigenes Haus, den l^onclneo dei Nsdoselu, welches aber der stolzen Republikdes Meeres gehörte, die es durch Beamte lViesdomiui) und Schreiber verwalten ließ undkeinem deutschen Händler gestattete, anderswo zu wohnen; ja, die Gondelführer waren geradezugezwungen, sie dort auszuschiffen, und Späher mußten den deutschen Kaufmann auf Schritt undTritt durch die Stadt bei Kauf und Verkauf begleiten. Indessen wurden auch Savoier, Böhmen,Polen und Ungarn zu den Deutschen gerechnet. Die unteren Räume des Fondaco enthielten dieWarenlager, die oberen 56 Zimmer, von denen viele jedoch oft nicht zu beziehen waren, weilmanche Kaufleute die Schlüssel mit nach ihrer Heimat nahmen und ihre Sachen unterdessen dortließen, obwohl letztere bei der Rückkehr häufig nicht mehr vorzufinden waren. Natürlich fehlteeine Weinstube im Hause nicht. Aber nicht nur die Nürnberger, Rcgensbnrger, Angsburger,Ulmer, Schweizer, Wiener u. s. w. verkehrten hier; selbst Angehörige der Hansa reichten hierdem Morgenlande die Hand. Aber auch Schwindler drängten sich in die Magazine, und Raus-
Zug über die Nlpen.
Aus Heinrichs VII. Nomsahrt: Erzbischof Balduin von Trier (vor dem Trierschen Kreuzbanner, dem das des Grafen von Saarwerden,silberner Doppeladler in schwarzem Felde, folgt) mit seinen Rittern und einem mit Gold und Silber bcladenen Wagen. Der Wagenist mit zwei hintereinander gehenden Pferden bespannt; das Hintere geht in der Kabel, das vordere ist mit Zugsträngen angeschirrt,der Wagen scheint zweiräderig zu sein: Alles wie noch heute im Nheinlande vielfach zu sehen. Miniature im Kodex Balduini Trevireusis:
1. Hälfte des 14. Jahrh. (S. L95.) Kgl. Prov.-Arch. zu Koblenz. (Nach Armer, Romf. Heinr. VII.)
bolde an den Zechtisch, und an Zwistigkeiten unter den rechtmäßigen Bewohnern fehlte es sowenig, wie an Reibungen zwischen ihnen und der Signvria, so daß diese mit deutschen Fürstenund Städten deshalb gar viel zu korrespondieren hatte. Trotzdem waren die Deutschen inVenedig sehr angesehen, da ihr Hans der Republik von Wert war, weil es dem Handelderselben im Norden großen Absatz verschaffte. Dem mißtrauischen Charakter der Vene-tianer widerstrebte es freilich, ihnen eine Freiheit einzuräumen, wie solche im Norden dieHanseaten besaßen. Das Fondaco, welches zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts abbrannte,dann neu aufgebaut und mit Gemälden von Giorgivne und Tizian geschmückt wurde,bestand bis zum Untergänge der Lagnnenrepnblik am Ende des vorigen Jahrhunderts. DerHandel dahin muß für die Deutschen sehr vorteilhaft gewesen sein, da sie weder die Räuberund die unwirtlichen Alpen, noch die erhöhten Zölle des sinkenden Staates der Dandoli undFalieri scheuten, sondern nach wie vor nach Venedig zogen. Die Handelsreisen, auf welchenumgekehrt die „Venediger" durch Deutschland zogen, haben sie in der Vvlkssage vieler Gegendenals goldsnchende Hexenmeister unsterblich gemacht. Im Jahre 1316 gewährte Kaiser Ludwig