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Erster Band.
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Deutscher Handel in Venedig. Rheinischer und schwäbischer Städtebund.

den Venetianern die zollfreie Durchfuhr von 200 Warenballen aus ihrer Stadt bis nachBrügge in Flandern. Auch mit Genua und Mailand trieben die Deutschen bedeutenden Handel.

Lange nicht die Bedeutung wie die meerbeherrschende Hansa haben die binnenländischenBünde deutscher Städte erlangt. Der bemerkenswerteste unter ihnen war immerhin derrheinische Städtebund, der seinen Ursprung in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts ineiner Versöhnung zwischen Mainz und Worms nahm und sich, namentlich durch den Eifer desMainzer Richters Arnold Waltb ot, rasch ausbreitete. Der Bund hatte sein Heer und seineRheinflotte; er wurde durch König Wilhelm im Jahre 1255 bestätigt, und nahm auch Fürsten auf,so die drei rheinischen Erzbischöfe, den Pfalzgrafen und viele Bischöfe, Grafen und Herren, nebenhundert Städten von Zürich bis Köln nordwärts und von Rcgensbnrg ostwärts. Weniger ein-heitlich erscheint uns der in seiner Ausdehnung sehr schwankende schwübische Städtebund, —eigentlich nur eine vielfach durchbrochene Reihe von Bündnissen. Seine ersten Spuren treten zuAnsang des vierzehnten Jahrhunderts auf, und zwar im linksrheinischen Teile des alten Schwaben,das heißt in der heutigen deutschen Schweiz, und zu derselben Zeit, da auch die Keime derspäteren Eidgenossenschaft in den Alpenthälern zu Tage treten. Das ganze vierzehnte Jahr-hundert hindurch und noch etwas länger standen die Städte der Nordostschweiz: Zürich, Schaff-hausen, St. Gallen und andere mit Konstanz und den rechtsrheinischen Städten in viel näherenund innigeren Beziehungen als mit der ländlichen Urschweiz, deren herrlicher Sieg am Mor-garten (1315) ihre spätere Macht noch nicht ahnen ließ. In den Städtern lebte eine ebensostarke Abneigung gegen die Bauern, wie gegen den im Weilern Sinne ebenfalls bäuerlichen Land-adel, dessen Fehdelust und Gewaltthätigkeit eben jene Bündnisse hervorrief. Eine solche Vereinigungreichte im Jahre 1327 bereits über Basel und Straßburg hinaus bis nach Speier, Worms undMainz hinab, umfaßte mithin auch Glieder des rheinischen Bundes. Aus der innern Schweiz tratauch Bern bei, sowie seltsamerweise ein Habsburger, Graf Eberhard von Kiburg, Berns spätererFeind. Der Zweck des Bundes war Beistand im Kriege; doch war er mit so viel Vorbehaltenverknüpft, daß die Verbündeten im Grunde wenig Gewähr aneinander hatten; auch warder nur auf vier Jahre geschlossen. Solcher Bündnisse folgten sich viele weitere, doch ohnefesten Charakter, in höchst schwankenden Verhältnissen zu weltlichen und geistlichen Herren,mit welchen je nach den Zeitumstünden die Städte in Frieden oder Fehde lebten. Es ist indessendabei zu bemerken, daß die Schweizerstädte sich mehr und mehr den Waldstätten näherten.St. Gallen hielt noch am längsten mit den schwäbischen Schwestern aus, stand jedoch bereitsmit den sich vom Joche ihres Abtes befreienden Appenzellcrn in einer nahen Verbindung, dieaber ebenfalls schwankend war und durch den Krieg der Städte gegen sie unterbrochen wurde.Dieser Wirrwar von Anknüpfungen und Auflösungen der Bundesverhältnisse war bei dem ver-worrenen Durcheinander der mittelalterlichen Gcbietsgrenzcn und der vielfach verschlungenenund zerteilten Rechte und Pflichten ihrer Inhaber unvermeidlich. Daher konnten solche Bünd-nisse aus Mangel an einem zusammenhängenden Gebiete sich niemals längerer Dauer erfreuen,und diesen Übelstand verschlimmerte noch die Feindschaft der Fürsten gegen die ihre eigeneMachtansdehnnng störenden Städte. Wo aber größere Fürstentümer fehlten, da trat an ihrerStelle der niedere Adel in einer Menge von Ritterbündnissen zusammen, und so eifersüchtig er auchauf die Fürsten war, die er nicht selten bekämpfte, so überwog doch der Bürgerhaß in seinenReihen bei weitem; ja es erscheinen häufig selbst Fürsten in jenen Adelsgesellschaften. Bessergesinnte Große dagegen verkündeten hier und da einen Landfriede», der für ein gewissesGebiet die Fehden aufheben sollte, und setzten ein Landding mit einem Landrichter an derSpitze ein, das alle Klagen über Friedensbrnch zu richten hatte.

Obschon der schwäbische Bund seine Glieder um rheinische Städte, selbst um Regensburg undNürnberg vermehrt hatte, obwohl er im Jahre 1377 bei Reutlingen über Würtembergs Scharengesiegt hatte, auch 1387 von König Wenzel bestätigt worden und schon 1381 auf 42 Städte an-gewachsen war, so unterlag er im Jahre 1388 bei Döffingen dennoch dem Ritterheere Eberhardsdes Greiucrs von Würtemberg. Der rheinische Teil des Bundes erlitt gleichzeitig durch den herri-schen Pfalzgrafcn Ruprecht II. bei Worms dasselbe Schicksal, bei welchem Anlasse der grausameSieger 00 Bauern, die den Städtern nachgezogen waren und geplündert hatten, in einen