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Erster Band.
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Feste und Gebräuche des Volkes.

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An manchen Orten wurde auch ein hölzerner Palmesel herumgeführt. Am grünen Donnerstagwurden die Erstlinge der Früchte in der Kirche dargebracht, am Charfreitag das heilige Grab inderselben besucht, am Charsamstag das „neue Feuer" an Stelle des ausgelöschten alten durch Reibenvon Hölzern angezündet, ein bei vielen Völkern aller Erdteile vorkommender Frühlingsgebranch.

Der deutsche Name des Osterfestes ist von der germanischen Göttin Ostara hergenommen,wahrscheinlich einer Frühlings- und Lichtgöttin. Das Ostersener, wie das Osterwasser, das unter-tiefem Schweigen aus fließenden Gewässern geschöpft wurde und Mädchen, die sich mit ihm wuschen,schön machen sollte, die Osterkuchen in Gestalt von Tieren (heidnisch Hasen, christlich Lämmer),die bunten Ostereier, der umhergeführte Osterochse erinnern noch heute an ein vorchristliches Festdes Aufwachens der Natur, das mit Opfern von Tieren und Lebensmitteln feierlich begangenwurde. Das Eierlesen oder der Eierritt, ein Wettspiel zwischen einem Läufer oder Reiter undeinem Eieranfleser, wird noch vielfach mit Aufzügen, Musik, Tanz und Gelagen gefeiert.

Am ersten und bisweilen auch am letzten Tage des April wurden die Leute durch einefalsche Nachricht oder einen unausführbaren Auftrag gefoppt, was von einem Glauben anverhängnisvolle Tage zeugt.

Die Sagen von der Walpurgisnacht des beginnenden Mai klingen ebenfalls an heidnischeOpferfeste an, welche das Christentum mit dem Teufel in Verbindung brachte, während im„Maiwasser" und „Maiwein" alte Getränksopfer fortleben. Der im Mai oder Juni auf-gepflanzte „Maibanm", den die Angehörigen des Ortes feierlich im Walde gesucht und heim-gebracht haben, welcher die Kühe milchreich macht und die Hexen vertreibt, sowie der denMaibaum hier und dort begleitende, ganz in Laub und Zweige eingehüllte Bursche, oder einmit Blumen geschmücktes Mädchen oder noch mannigfaltigere Umzüge und Umritte mit selt-samen Figuren zu Pferde und zu Fuß, — dies alles erinnert an die einstige Verehrung derBäume und Baumgeister. Die heidnische „Maia" wurde mit Maria verbunden, welche nunin den Maiandachten ihre Feier erhielt.

Es ist nunmehr ein fortgesetzter Kult der Frühlingsnatnr, der sich von Ostern, von derAuferstehung der Erde, bis Pfingsten hinzieht, wo sich der „heilige Geist" der Sommerprachtauf die Menschen herniedersenkt. So hat die katholische Kirche bei ihrem die Herzen allerGefühlsmenschen erobernden Gottesdienst in wohldurchdachter Weise die Eindrücke der Naturstets mitwirken lassen. Ohne den herrlichen Übergang vom Frühling znm Sommer: was wäredas Auferstehung»- und Himmelfahrtsfest, was die Pfingstfeier, was die alle diese Feste ankirchlicher Prachtentfaltung überbietende Feier des Fronleichnamsfestes? —

In der Mitsommerszeit, die einst den Tod Balders beklagte, jetzt aber Johannesden Täufer feiert, wurden, und werden vielfach noch jetzt, die Sonnwend- oder Johannisfeuerangezündet. „Hie und da segnete der Pfarrer das Feuer ein; Knaben sprangen über dieglimmenden Kohlen und ledige junge Leute schwangen sich paarweise durch das Feuer, umdas Gedeihen des Flachses und die eigene Gesundheit zu befördern." Auch warf man Kränzein das Feuer und tanzte um dasselbe herum; oder es wurde das „Sonnenrad" von der Höhehinab in das Thal gerollt. Häuser und Fenster wurden mit Blumen und Kränzen geschmückt.Man wallte zu den Heilquellen, trank und wusch sich und wahrsagte aus allerlei Vorzeichen.

Zu Mariä Himmelfahrt, Mitte August, wurden in Feld, Wiese und Wald Heil-kräuter gesammelt und in der Kirche geweiht. Im Herbst, wenn die Fluren abgeerntetwaren, gab St. Leonhard den Namen zu den Umritten, die einst den Gott Fro oder Freyr alsBeschützer der Pferde gefeiert hatten.

Am Anfange der strengern Jahreszeit erinnern Allerheiligen und Allerseelen an denBesuch der Gräber unsrer Lieben. Aber bald kommen fröhlichere Tage. Das vollendeteEinernten der Früchte, die bestellte Wintersaat, die leckere Fleischfülle der Gänse führte amMartinstage zu fröhlichen Schmäusen. Man schlachtete Schweine, beschenkte einander mitFleisch und Würsten, briet die Martinsgans, die auch als Zins an Geistliche und Klöstergegeben wurde. Selbst geistliche Herren dichteten darüber lustige Lieder, z. B.: „BruderUrban gib uns Wein, so trinken wir und schenken ein; die Gans die will begossen sein, siewill noch schwimmen' und baden, so wird uns wohl geraten üueo unserm Memorial"