Aufkommen der Feuerwaffen.
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Ohne in das Amt der Kriegsgeschichte einzugreifen, wollen wir nur die Art der Krieg-führung vor und nach ihrer mächtigsten Umwälzung, welche durch die Einführung der Feuer-waffen bewirkt wurde, kurz charakterisieren. Vor dieser Umwälzung waren es die Ritter, welchedie Kriege machten und leiteten; organisiert aber wurde die Streitmacht und deren Heerfahrtdurch das Lehnswesen, unter dessen Trägern, von oben nach unten hin, ein jeder seine Bassallenaufbot. Die Ritter bildeten die Reiterei, die Leute geringern Standes das Fußvolk (S. 188).
Diese Organisation mußtefallen vor den Veränderungen,welche im Waffenwesen nachund nach Platz griffen. Damitmilderte sich nicht zugleich dieSchrecklichkeit der Kriegführung:noch immer verübten die Siegernach Schlachten und Belage-rungen unmenschliche Grausam-keiten an den Besiegten, unddie Heerführer glaubten, Ver-wüstungen des durchzogenenLandes nicht unterlassen zudürfen. Die Schleudermaschinen(S. 196) wich ennur sehr langsam,
— schneller die plumpen Belage-rungstürme — dem Feuer-geschütz. Die erste Nachrichtvon demselben in Deutschlandkommt aus Aachen, das imJahre 1346 eine Büchse ausEisen besaß, welche „Donner-schoß," und zehn Jahre späterhatte Nürnberg „bereits eineMenge eiserner und kupfernerBüchsen, welche eiserne Kugelnwarfen." Die Feuerwaffen be-standen erst nur als schweresGeschütz, Steinbüchsen, Feld-schlangen rc.; wegen der schlech-ten Beschaffenheit des erstenPulvers konnte die Verwen-dung als Handwaffen erst vielspäter eintreten, zuerst alsHakenbüchsen. Namentlich dieeben erst ausgebildete Armbrustließ sich lange Zeit nicht ver-drängen.
Die Ritter bildeten denKern der Heere noch im fünfzehnten Jahrhundert; seitdem ihnen aber die Schweizer 1386bei Sempach gezeigt, was ein freiheitbegeistertes Fußvolk gegenüber den unbehilflichen Panzer-und Lanzenmauern vermag, traten sie mit ihren Dienstleuten immer mehr vor den Söldnernzurück, mit welchen auch die Uniformen, das heißt zunächst gleichfarbige Kleider der einzelnenTruppenkörper, überhand nahmen. Die Kriegsmacht von Ulm war durchweg rot gekleidet,auch die Wundärzte, die man „künstliche Buben" nannte; jeder Bürger mußte ihr zugehörenund einen Harnisch von acht Pfund Heller an Wert besitzen.
V
Beschießung einer Ielsburg im 15. Jahrhundert.
Faksimile eines Holzschnittes in der „Schwäbischen Chronik." Ulm 1486,gedruckt von Konrad Dinckmut.