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Erster Band.
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Drittes Buch. V. Handel und Wandel.

kreises beraubt, dem sie sich zweihundert Jahrehindurch hauptsächlich gewidmet hatten, jene alsPrediger, diese als Kämpfer des Kreuzes gegendie Ungläubigen. Es trat mit jenem Zeitpunktein augenfälliger Weise eine Verarmung des Adelsund eine Abnahme der Klöster ein. Letztere unddie Burgen waren bis dahin die Gasthäuserdes Mittelalters gewesen. Die zunehmende Armutder Bevölkerung und die durch Einschleppung ausItalien und dem Morgenlande ungemein häufigauftretenden Seuchen, sowie das massenhafte Herbei-drängen von Bettlern, Krüppeln und ekelhaftenKranken trugen außerdem zur Verminderung jenerschönen Gastlichkeit erheblich bei. An ihre Stellemußten daher eigentliche Gasthäuser treten. Inden Städten dienten diesem Zwecke die Zunfthäuser;auf dem Lande ergab es sich gewissermaßen vonselbst, daß die an Straßen liegenden größerenBauerngehöfte, deren Eigentümer zugleich Wein-bergbesitzer, Brauer, Müller, Bäcker oder Fleischerwaren, durch Ermächtigung der Gutsherren dasRecht erwarben, Gäste zu bewirten und zu be-herbergen. Pfarrherren übten dasselbe Recht alsPflicht Wohl als Nachfolger oder Vertreter derKlöster, und Gutspächter als solche der Burgen.Als Erwerbsquelle wurde die Aufnahme von Gästenim Anfang nicht betrachtet, und ob die Gäste zufrieden waren, erschien gleichgültig, so daßBequemlichkeit und Reinlichkeit umsonst in den meisten Wirtshäusern gesucht wurden. Reisendenahmen daher noch lange Zeit ihren Bedarf an Lebensrnitteln mit auf die Reise.

Merkwürdig ist eine Verordnung König Rudolfs I. vom 6. Juli 1281, nach welcherder Wirtsberuf bereits als ein feststehender erscheint. Es sind darin die Pflichten des Wirtesgegen den Gast bestimmt. War letzterer kein Mörder, Ketzer oder Verräter und befand ersich nicht in des Reiches Acht, so mußte ihm der Wirt gegen jedermann behilflich sein, wennsein Gast des Schutzes bedurfte, und wenn die Häscher vor das Gasthaus kamen, so mußteder Wirt den Gesuchten entfliehen, den Richter aber dreimal rufen lassen und sich stellen, alshöre er ihn nicht. Öffnete er jedoch nach dem dritten Rufe nicht, so war er selbst für denGast verantwortlich.

Die Beschreibung, welche Erasmus von den deutschen Wirtshäusern seiner Zeit macht, istnicht einladend. Man müsse bei der Ankunft, sagt er, lange schreien, bis der Wirt erscheine; deraber betrachte die Aufnahme der Gäste wie eine besondere Gnade. Sein Pferd müsse man selbst inden Stall führen. Tadle man etwas, so werde man bedeutet, ein anderes Gasthaus zu suchen.In der dicht gefüllten Gaststube müsse man sich umkleiden und die nassen Kleider am Ofenaufhängen. Das zum Waschen gereichte Wasser sei schmutzig; auf das Essen müsse man stunden-lang warten, bis alle Gäste beisammen seien, oft achtzig bis neunzig in einem Zimmer, wo sieungeniert ihre Toilette machten. Der Ofen verbreite solche Hitze, daß alles schwitze. DieTischtücher seien grob wie Segeltuch, Teller und Löffel von Holz, der Wein sauer, die Speisenaufgewärmt und spärlich zugemessen, der Käse übelriechend und voll Würmer, die Leintücherungewaschen; die Rechnungen aber für alle gleich, ob sie viel oder wenig verzehrten, undwehe dem, der sich über die seinige beschweren wollte!

Die Zunahme des Handels und das Aufblühen der Handwerke in den Städten vermehrteseit dem vierzehnten Jahrhundert den öffentlichen Verkehr ganz bedeutend. Eine neue Zeitwar im Anzüge. Die verfallenden Burgen waren nicht geeignet, dem sich hoch entwickelnden

Bote, einen versiegelten Brief bringend.

Ein Blatt von den vier „Zweiern" eines höfischen Karten-spieles aus dem 15. Jahrh. (Wien.)

Als Abzeichen trägt der Bote ein am Halse hängendesSchild mit dem Adler auf der Brust. Das Wappen in derEcke rechts oben ist das des Reichs.