Band 
Erster Band.
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Drittes Buch. V. Handel und Wandel.

zeichnet. Die Zunftgenossen trafen sich regelmäßig in den Trinkstuben ihrer Zunfthänser undfühlten sich hier oft mehr zu Hanse als in ihren Familien; zu Zeiten speisten sogar Familien-vater, namentlich wenn sie politischen Einfluß suchten, regelmäßig im Zunfthause. Selbst dieGebräuche der Zünfte wurden reich an Beziehungen auf das Trinken. Im Ratskelleraber war das allgemeine Stelldichein der Bürger; er war der Mittelpunkt des geselligenVerkehrs, die Quelle aller Neuigkeiten und der Ort zur Vorberatnng der Staatsgeschäftc. Auchmit Frauen und Töchtern kam man in seine Hallen und feierte dort Hochzeiten nnd andere Feste.In den tiefen Kellern lagerten reiche Vorräte an Wein, aus denen hohe Gäste, die man inden Sälen des Rathauses bewirtete, je nach ihrem Range Ehrengeschenke erhielten. EigeneBeamte, die Weinherren, wachten über Aufrcchthaltung der Ordnung und des Friedens.

Der zunehmende Handel erforderte und schuf Kauf- und Lager-, Korn- und Schmalz-häuser; der riesig anwachsende Verkehr erweiterte die früher bescheidenen Marktplätze und führtezu großen Jahrmärkten, auf welche, weil sie sich an Festtage anschlössen, der Name„Messen" (S. 203) besonders angewandt wurde. Auf diesen Märkten wurden öffentliche Wagenaufgestellt, um jeden Betrug am Gewichte zu verhindern. Die Marktherren untersuchten dieWaren auf Güte, Preis und Wert. Großhändler trafen sich hier und brachten ihre Ab-rechnungen in Ordnung, Wechsler trieben ihre Geschäfte und die Wechselbriefc kamen in Übung,wobei auch der Wucher, der nicht selten 30 bis 40 vom Hundert in der Woche nahm, seinescheußlichen Netze auswarf. Engherzigkeit blieb nicht aus, und oft genug suchten die ein-heimischen Händler Fremde von den Märkten fernzuhalten, was aber nie auf die Dauer gelang.So wurden Ulm, Augsburg, Nürnberg, Bremen, Breslau, Leipzig, Danzig, beide Frankfurtund noch andere Städte Welthandelsplätze, die auch aus Frankreich, England, Italien und weiter

UM

Wandernder Kaufmann, seine Waren in einer Jahrmarktsbude feil bietend: Harnische, Eisenhandschnhe, Beinbcrgen,

Kettenpanzer, Zeuge, Kästchen, Schalen, Pokale.

Aus einer Bilderhandschrist aus der Mitte des 1b. Jahrhunderts; Nürnberg, Germanisches National-Museum.