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Drittes Buch. V. Handel und Wandel.
Fremde Brotbäcker in den Straßen von Konstanz zur Zeit des Konzils (1414—18).
Aus den Darstellungen in Ulrichs von Richental Chronik des Konzils zu Konstanz; um 1-N7 ausgeführte Bilderhandschrift.
Konstanz, Stadtbibliothek.
allen größeren Städten des Landes deutsche Bäcker niederließen. Bis um die Mitte des dreizehntenJahrhunderts wurde auch für den Fleischbedarf der Familien nur im Hanse selbst geschlachtet;die erste urkundliche Erwähnung des Fleischergewcrbcs kommt im Jahre 1248 in Basel vor.Seitdem durften nur die Handwerksgcnosscn Fleisch verkaufen; im Jahre 1387 zählte Frankfurt86 Metzger. Die Färberei kam aus den Niederlanden im Jahre 1268 nach Wien, 1396 nachAugsburg. Die Schneider findet man als Gewerbe schon im Jahre 1152 in Hamburg, 1244 inHelmstedt und nachher öfter; in Nürnberg wurden sie erst 1378 amtsfähig. In Brcslau undanderen Orten teilten sie sich im vierzehnten Jahrhundert in Männer- und Frauenschneidcr, undin derselben Zeit verpflichteten sich in Schweidnitz die Schneider von fünfundzwanzig Städten,keine Zeugreste in die „Hölle" wandern zu lassen. Schon damals waren die Schneider vielemSpott ausgesetzt. Oft machten sie neue Kleider nur, um sich in denselben öffentlich zu zeigen undKunden anzulocken. Im Jahre 1360 erst kamen die Nähnadeln mit Öhren und die metallenenFingerhüte in Gebrauch. Zinngießer gab es seit Mitte des dreizehnten Jahrhunderts in denNiederlanden, gegen Ende desselben auch in Deutschland; im vierzehnten Jahrhundert sind sie inNürnberg ansässig, dort und in Augsburg gleichzeitig Kupferschmiede, Stück- und Glockengießer.Im fünfzehnten Jahrhundert wurden große Kirchenglocken beliebt; Erfurt hatte im Jahre 1477eine Glocke von 276 Zentnern Gewicht. Von Uhren gab es Sonnen-, Wasser- und Sanduhrenund auf den Kirchtürmen Räder- und Gewichtsuhrcn mit Zeiger und Schlagwerk. In derZeitrechnung unterschied man damals die kleine und große Uhr, d. h. eine Teilung des Tagesin zwei mal zwölf und in vierundzwanzig Stunden. An manchen Orten teilte man Tag undNacht, ob kurz oder lang, gleichmäßig in zwölf Stunden, au anderen aber, so z. B. in Nürnberg,wurden je nach ihrer Länge Tag und Nacht in acht bis sechzehn Stunden eingeteilt.
Eine anmutige, wenn auch vielfach komische Gewohnheit der hier geschilderten Zeit tritt inder mit der Vergrößerung der Städte Hand in Hand gehenden Benennung der Straßen undHäuser hervor, welche letzteren noch keine Nummern trugen. Zur Namengebung der Straßen warein häufiger Anlaß ihre unregelmäßige Anlage; so hieß z. B. in Hildesheim eine Gasse der halbeKäse, eine andere die krumme Rotwurst. Manche Straßennamen deuten auch auf die Zusammen-setzung der Städte aus Dörfern hin; so besitzt Zürich z. B. ein Ober- und ein Niederdvrfmitten in der Stadt. Viele „Jndengassen" erinnern an die Abschlicßung der Juden, die „Junker-gasse" in Bern an die freiwillige Zurückgczogenheit der Aristokratie; in den Namen vieleranderen ist ausgedrückt, daß sie früher allein von Handwerkern einer gewissen Art bewohntwurden, wie Metzger-, Zimmer-, Sporergasse. Häusernamcn in Zürich sind z. B. Weltkugel,