Die Handwerker. Straßen- und Häusernamen. Tänze und Reien. 399
blauer Himmel, Jakobsbrunnen, Judentempel, großer Christvffel, weißer Wind (d. h. Windhund),Mccrwunder, leere Tasche, magere Magd rc. In Köln findet man einen roten Bären, Kuckuck,halben Mond. Als Wirtsschilder waren früher Wappentiere und Wappenzeichen besonders beliebt,z. B. Adler, Löwe, Bär, Ochse, Kreuz, Krone; aber manche sind oft sonderbar, z. B. in Basel:krummer Fisch und goldener Kopf. Die „drei Mohren" in Augsburg sind geschichtlich denkwürdig.
Der wachsende Wohlstand in den Städten verwischte nach und nach die Trennung zwischen -den reicheren Bürgern und den Edeln großenteils und brachte beide Stände einander näher. Dieletzteren, soweit sie nicht bereits in den Städten angesessen waren, suchten dieselben des Vergnügenshalber auf und unterhielten sich mit den Bürgern; namentlich gefielen ihnen die schönen und lebens-lustigen, oft sogar üppigen Bürgerinnen, mit denen sie auf den Bällen der höheren Bürgerklassen,sogenannten Geschlechtertänzen, in der Fastnacht zusammenkamen, und sie verschmähten nicht, mit denkraftvollen Bürgern in glänzenden Turnieren sich zu messen. Solcher Verkehr vermehrte die Anlässezu Vergnügungen; es gab Maskenbälle, damals Mummereien genannt, Spiele und Tänze aller Art.
Im Mittelalter wurde zwischen eigentlichen Tänzen und Reien unterschieden. Mantanzte in ruhiger Haltung und mit gemessenen Bewegungen in Sälen und Zimmern; die Reiendagegen bewegten sich mit lebhaften Sprüngen im Freien; beide unter Begleitung von Gesangund Musik. Unter den „Laichen", die man dabei sang, waren besonders Liebeslieder undGesänge von den Thaten der Vorfahren üblich; auch Spottlieder auf bestimmte Personen kamenvor. Im vierzehnten Jahrhundert nahmen die Tänze größere Lebhaftigkeit der Bewegung an,die sich bis zur Heftigkeit steigerte, sodaß man Hut und Rock dabei zu verlieren Gefahr lief.Die Geistlichen eiferten dagegen und schrieben diese Sitte der Einwirkung des Teufels zu, derdamals an allem schuld sein mußte, und von dem es hieß, daß er sich mitten im Kreise derTanzenden befinde. Die Behörden der Städte mußten „wüstes Schreien, schamlose Lieder undunzüchtige Gebärden" bei den Tänzen verbieten. Namentlich verrufen war der „krumme Reien".Ball-, Kugel- und andere Spiele wurden häufig in die Tänze eingeflochtcn. Daher nannte mangrößere Tanzfestlichkeiten„Bälle". Ein besonderesTanzspiel bestand darin,daß sich ein Jünglingoder Mädchen mit einemKranz oder Ring in dieMitte der Tanzendenstellte und damit die oderden Auscrwählten aus-zeichnete: ein bedenk-liches Spiel, das nichtselten in eifersüchtigeSchlägereien auslief. DenVornehmen waren ihre„Baumgärten" außerhalbder Stadt beliebteStättenzu Tanz, Kampfspielenund allerlei Unterhaltung.
Das eigentliche Spielenum Gewinn mit Karten,
Würfeln und Brettspielennahm so sehr überhand,daß es vielfach beschränktwerden mußte, was in-des wenig half.
Mit dieser Vergnü-gungssucht Schritt hal-
Der Tanz um den Ring.
Faksimile des Kupferstiches von Jsrahel van Meckenem (aus Bocholt in Westfalen, -j- 1503)