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Erster Band.
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Drittes Buch. V. Handel und Wandel.

tend, verlor auch die Wahrung guter Sitte in bedenklichem Maße. Überhaupt war das Mittel-alter nicht so sittig und fromm, wie man oft glaubt. Klagen der Geistlichen über geringenKirchenbesuch, über laute Unterhaltung während des Gottesdienstes und über Aufsuchungverliebter Abenteuer in den Kirchen finden sich häufig in den Urkunden. Ausschweifungenwurden damals offener getrieben als jetzt.

Die von weltlichen wie geistlichen Fürsten und den Städten nicht nur geduldeten,sondern zum Teil gegen Abgaben förmlich organisierten sogenannten Frauenhänser„blühten" namentlich im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Sie wurden ohne Bedenkenselbst von Fürsten besucht und die Räte der Städte bereiteten, naiv genug, vornehmenGästen, sogar Königen, unentgeltliche Aufnahme in ihnen. In allen Reichen des Abend-landes hatten diese Frauenhänser denselben Charakter; ganz ähnlich war auch in allen daskecke und ungescheute Benehmen der Dirnen. Dieselben, „schöne Frauen" genannt, wurdenteils von den Behörden angeworben, teils lebten sie für sich und folgten in Massen den

Heeren, begaben sich auch an die Reichstage und Konzilien, namentlich an das in Konstanz,

sowie zu den Turnieren und trieben dort ihr Wesen. Man wird uns ein näheres Eingehenauf diese Dinge ebenso gern erlassen, wie die Schilderung loser Sitten außerhalb jener

Lasterhöhlen, — Sitten oder vielmehr Unsitten, welche stets vorhanden waren und noch sind.Übrigens war für die Bekehrung jener Unglücklichen durch Ordensgesellschaften „reuigerSünderinnen", deren es eine große Menge gab, gesorgt.

So unentbehrlich die Bewohnerinnen der „Frauenhänser" den lüsternen Bedürfnissen

ihrer Zeit waren und so sehr sie damals von der frivolen Welt begünstigt wurden, so betrachteteman sie doch gleichzeitig als eine unehrliche Mcnschenklasse, zwang sie zu einer besonderenauffallenden Kleidung und verbot ihnen, die anständigen Stadtteile zu betreten. Diese Hint-ansetzung bestand indessen nicht nur für sie, sondern in mannigfachen Abstufungen und Formenauch für andere Gruppen der Bevölkerung, mit deren Betrachtung wir hier die Schilderungdes Aufschwungs jener Zeit unterbrechen müssen.

lMM

Verlorene Partie. Kartenspieler im 15. Jahrhundert.Faksimile des Kupferstiches von Jsrahel van Meckenem.