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Erster Band.
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412 Drittes Buch. VI. Die Verfolgten.

ein Schüler Eckharts. Alle drei gehörten der sogenannten mystischen Richtung an,die damals ebenso eine Eigentümlichkeit des deutschen Volksgeistes war, wie die Scholastikeine solche der romanischen Nationen. Während die Scholastik die Glaubenssätze der Kircheals etwas Gegebenes hinnahm und ohne Untersuchung ihrer Berechtigung philosophisch zurechtfertigen unternahm, strebte die spekulative Mystik danach, das Göttliche unabhängig vonder dogmatischen Überlieferung zu erfassen und aus dem eigenen Gemütsleben eine neueLehre des Göttlichen herauszubilden. Eckhart war aber nicht nur der Begründer der deutschenMystik, sondern auch der Schöpfer der deutschen Philosophie. Seine an Pantheismus anstreifendeRedeweise und sein Verkehr mit Begharden brachten ihn 1320 und 1325 mit der Inquisitionin Berührung, die jedoch sein Leben nicht gefährdete, während damals viele Begharden inden Flammen endeten oder im Rhein ertränkt wurden. Seine Richter waren Dominikaner, also

seine Ordensbrüder und sprachen ihndaher frei. Trotzdem verdammte einPapst zu Avignon 28 Sätze Eckhartsals ketzerisch oder verdächtig, nachdemihr Urheber bereits gestorben war.

Indes äußerte sich die mystischeRichtung in verschiedener Weise; beiden Mönchen verband sie sich mit Welt-verachtung; jene Prediger aber und die„Gottessreunde" suchten die Welt viel-mehr auf, in dem Bestreben, sie ausihren Sünden zu reißen und zu Gottzu führen. Aus einer Vereinigungsolcher philanthropischer Mystiker inStraßburg, welche sich in dem „Gottes-haus" zusammenfand, das der dortigeBürger Rulmann (Rudolf) Merswiugegründet hatte, gingen volkstümlicheSchriften hervor, in welchen ein „Gottes-frennd aus dem Oberlande" als Haupteines Bundes frommer und guterMenschen erscheint und in denen nichtundeutlich Ansichten der „Waldenser"ausgesprochen werden.

Als dies geschah (um 1370), warunter dem Nachfolger Kaiser Ludwigs,dem päpstlich gesinnten Karl IV.,bereits eine neue und grausamere Ver-folgung über die sogenannten Waldenser und Begharden hereingebrochen, durch deren Wüten nichtnur die meisten deutsch geschriebenen religiösen Bücher jener Zeit, sondern auch viele Hunderte vonMenschen in den Flammen der Scheiterhaufen ihr Ende fanden. In allen Teilen Deutschlandsund der Schweiz dauerte diese Kctzerhctze bis tief in das fünfzehnte Jahrhundert hinein. InStraßburg wurde im Jahre 1458 sogar der oberste Bischof der „Bruder", Friedrich Reiseraus Ulm, verbrannt. Diese Verfolgung schwächte die Gemeinden für immer und trug selbstTrübungen und Berirrungen ihres Glaubens in sie hinein. Viele ihrer hervorragenden Gliederhatten sich aber in die Verbände der Bauhütten geflüchtet und darin Sicherheit gefunden.

Alle Zurücksetzung gewisser christlicher Stände sowohl, wie der Juden, und selbst alleSchrecken der Juden- und der Ketzerverfolgnngcn erreichen jedoch weder an Gräßlichkeit nochan lange anhaltender Dauer die furchtbaren Greuel, welche, die Menschheit schändend, ausdem Hexenwahn entsprangen, und vor denen Jahrhunderte lang in ganz Europa niemandsicher war, besonders nicht das weibliche Geschlecht. Der Hexenwahn ist uralt und findet sich

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Aus Meister Eckharts Gespräch mit Schwester Katrein.Lriginalgroßes Faksimile einer Seite einer Handschrist des 14. Jahrhunderts.München, Kgl. Hos- und Staatsbibliothek.