Ketzer- und Hexe »Prozesse. Der Hexen ha nun er.
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erst nach zweihundertjähriger Pause begann im Jahre 14,46 zn Heidelberg der Hexenprozeß inDeutschland auf die Dauer einheimisch zu werden. Endlich aber, am Ende des sogenanntenMittelalters, zur Zeit der Entdeckung der Neuen Welt, der Blüte des Humanismus und desFortschrittes der Buchdruckerknnst, erhielt durch die ganz besonders auf Deutschland gemünzteBulle Papst Jnnocenz' VIII. „suminm ckomäeruntes alkdetibus" (1484) der Hexenglaube jenenwuterfüllten Ausdruck, dessen Gipfelpunkt das furchtbare Buch des „Hexenhammers" (Äallsusmulktiearum) bildete: drei vom Papste auserlesene Inquisitoren, ihren Namen nach deutscheMönche, der Kölner Jakob Sprengermit seinen Gehilfen Heinrich Krämer(auch Jnstitoris) und Johann Grcmper,sandten es im Jahre 1489 in die Welthinaus. Auf diesem Buche beruhen die Jahr-hunderte andauernden Greuel der Hexen-prozesse — an ihm klebt das Blut vonMyriaden verbrannter „Hexen" und nichtwenig „Hexenmeistern". Das wesentlichNeue darin ist, daß der „Hexenhammer"geradezu eine Kriegserklärung gegen dasschwächere Geschlecht war, dessen angeblichegründliche Verdorbenheit und daraus er-folgende „Buhlschaft mit dem Teufel" denHauptinhalt seiner Einleitung ausmacht.
Schon vor dem Erscheinen ihres Mach-werkes hatten Jakob Sprenger und seineGenossen, vom Papste dazu beauftragt, inden Rheingegenden eine Menge „Hexen"verbrennen lassen, und diese Schmach dauertevon nun an ununterbrochen fort und wälztesich verheerend über alle Länder Europasund dessen überseeische Kolonieen.
Es ist allerdings auffallend, daß diesesfluchwürdige System gerade am Ende dessogenannten Mittelälters den scheußlichstenTeil seiner Wirksamkeit begann, daß derselbealso mit seinen zahllosen Opfern in die so-genannte Neuzeit fällt; aber beide Zeit-benennungen sind eben sehr relative, un-genaue Begriffe. Durch Jnnocenz' VIII.
Bulle und den „Hexenhammer" wurde nurvollendet, was fast das ganze sogenannteMittelalter unheimlich durchzogen hatte —und was man „Neuzeit" nennt, war noch Jahrhunderte lang nur für eine kleinere Zahl
der Menschheit eine neue Zeit. Alles in der Welt entwickelt sich ja langsam und wirkt
zum Teil unendlich lange nach; daher befand sich der größte Teil der Menschen trotz der
angebrochenen „Neuzeit" noch lange in dem, was wir „Mittelalter" nennen, nämlich in einemZustande unaufgeklärten Wahns und Aberglaubens. Teilten Männer wie Luther und Fischartden Teufels- und Hexenglauben, so darf man sich nicht wundern, daß die Hexenprozesse tiefin das vorige Jahrhundert herein ragten. Geistliche und weltliche, katholische und protestan-tische Staaten gaben sich mit gleichem Eifer der Hexenvertilgung hin. Herzlose Richter
preßten durch die entsetzlichste Folterung aus den unglücklichen Angeklagten, deren Ver-urteilung im voraus beschlossen war, Lügen heraus, die schließlich von den Gequälten undihren Leidensschwestern selbst geglaubt wurden, wozu Wohl auch aufregende Träume und
Faksimile eines Holzschnittes in: Traktatns von den bösenweiden die man nennet die Hexen. Durch Doktor vlrichenmolitor. Augsburg 1508.