Aberglaube. Erste Einwirkung der Naturwissenschaften. 417
Doch, der Hexenglaube war nicht der einzige finstere Wahn seiner Zeit; unbeschränktherrschte der Aberglaube auch auf anderen Gebieten seines unheimlichen Reiches undwetteiferte, wenn auch nicht an Mordsucht, so doch an Zähigkeit mit dem fürchterlichen Hexen-wahn. Wir wollen hier weder von der Sterndeuterei (Astrologie) noch von der Goldmacherei(Alchemie) sprechen, deren Blüte in Deutschland in eine spätere Zeit fällt und mit den übrigenErscheinungen derselben in nur allzu nahem Zusammenhange steht. Im fünfzehnten Jahrhundertsuchte man wunderthätige Kräfte in Steinen, noch mehr aber in Pflanzen; die Wurzel derMandragora sollte unter dem Galgen durch Einwirkung eines Gehängten entstehen; man hieltsie für ein lebendes Wesen, das, auf eigentümliche Weise ausgerissen und im Hause gepflegt,zu dem Geld und Glück verleihenden Alraun oder Heckemännchen wurde. Ähnliche Kräftewurden dem abgeschnittenen Daumen eines Gehängten, der Wünschelrute, welche alles Ver-borgene entdecken, und der durch den Specht widerwillig gelieferten „Springwurzel", welchealles Verschlossene öffnen sollte, beigemessen. Auch die gerichtliche Vorladung und Verurteilungvon Tieren (S. 369) gehört hierher.
Das einzige wirksame Mittel zur Untergrabung des Aberglaubens, die Natur Wissen-schaft, befand sich noch, ungeachtet des Borangehens eines Albertus Magnus, in den Kinder-schuhen. Nur vereinzelt begegnen wir noch ihren Jüngern. Um so mehr verdient derjenigeErwähnung, welcher als der erste diesen Wissenszweig volkstümlich bearbeitete: Magister Konradvon Megenberg, seit 1342 Pfarrer, später Domherr in Rcgensburg (f 1374), dessen„Deutsche Sphära" und „Buch der Natur" sich über Physik, Astronomie und alle Naturreicheverbreiteten, und der auch Historiker war. Weiteres Wirken dieser und anderer Wissenschaftenwird uns der nächste Abschnitt vorführen.
Volksgruppen aus dem Troß im Triumphzng Kaiser Maximilians I.
Faksimile aus dem großen Holzschnitt von Hans Burgkmair (1472—1531).
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