Aus der Bücher-Ornamentik des 15. Jahrhunderts.Faksimile eines Kupferstiches von Daniel Hopser (um 1500 ).
siebenter Abschnitt.
Die schulen und der Humanismus.
ie geschilderten Fortschritte im Handel und Verkehrwaren erfreulicherweise nicht die einzigen in der Zeitdes ausgehenden Mittelalters. Jene merkwürdigeEpoche wußte nicht nur in materieller, sondern auch inideeller Beziehung alte und unhaltbare Zustände durchdas Streben nach besseren zu überwinden. Die Thätig-keit des Aufbauens, Schaffens und Erfindens auf denGebieten des Wahren und Schönen hat zwar in Deutsch-land einen langsameren Verlauf genommen als in denweiter westlich liegenden Ländern. Die schaffende Arbeitwar bei uns lange Zeit auf fremde Vorbilder ange-wiesen, sie hat dieselben aber desto entschiedener, jamit größerer Entschiedenheit als sonstwo geschehen,nach deutschem Geiste ausgestaltet und hat sich zuletzt aufeigene Füße gestellt. Es zeigte sich dies schon in derdeutschen Sangesblüte des Zeitalters der Kreuzzüge; esFaksimile eines Zierbuchstaben in einem Druckwerk geigte sich Von neuem in der h U man ist i s ch e N Wirk-vom Jahre 1518 aus der Offizin des Johann samkeit des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts.
Schösfer in Mainz. Mit Unrecht hat man den Ursprung dieser neuen
Geistesrichtung früher auf gelehrte Griechen, die nachder Unterjochung ihres Landes durch die Horden der Türken — dieser grausamsten Heimsuchungeines geheiligten Bodens — ihre Heimat verlassen hatten, zurückgeführt. Niemals war inItalien, der wahren Wiege des Humanismus, die Kenntnis des klassischen Altertums gänzlicherloschen; nur- eine gründlichere Beschäftigung mit der Sprache von Hellas verdankte der gelehrteTeil des Volkes im Süden der Alpen griechischen Lehrern, jedoch schon lauge vor der EroberungKonstantinopels.
Aus Italien erhielt auch Deutschland die humanistische Richtung in ihrer völligen Aus-bildung; es war auf dieselbe aber schon seit geraumer Zeit vorbereitet durch jenes besonderegeistige Streben, welches dem deutschen Humanismus seinen Stempel aufdrückte, nämlich denreligiösen und sittlichen Fühlens, im Gegensatze zu der Irreligiosität und Frivolität, durchwelche sich die meisten der „wälschen" Humanisten hervorthaten. Diese Vorbereitung hatte derdeutsche Humanismus in der bereits (S. 412) erwähnten Mystik gefunden; auf derselben