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Erster Band.
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Drittes Buch. VII. Die Schulen und der Humanismus.

zweifelhaften Kenntnisse trug man in den beliebten theatralischen Vorstellungen der „Disputa-tionen" znr Schau und suchte in denselben die unsinnigsten Behauptungen mit den elendestenCitationen zu verfechten.

An der Spitze der Universität stand ein vom Papste dazu ernannter Bischof oder Probstder Nachbarschaft, in geistlichen Staaten der Landesherr, als Kanzler; unter ihm regierten derRektor und die Dekane. Die Lehrer wurden von der Universität selbst gewählt, bis dieRegierungen dieses Recht in Anspruch nahmen, und mußten bis zur Mitte des fünfzehnten Jahr-hunderts ehelos sein; sie waren nach den erworbenen Graden in Laeealanrsi oder Uaeealarii(wie ursprünglich die Studenten hießen), Lizentiaten, Magister und Doktoren gegliedert; letzteregab es lange Zeit nur an den drei höheren Fakultäten. Ihre Besoldung bestand anfänglichnur in den Kollegienhonoraren. Die Studierenden, zu denen auch viele Lehrer zählten, dieabwechselnd hörten und lasen, teilten sich schon vor der Ausbildung der Fakultäten an den

meisten Universitäten in Nationen;^ in der Regel in vier mit willkürlich

„ ,, «d - gewählten Namen, unter welche die

Studenten nach ihrer wirklichen Na-tionalität verteilt wurden; dieselbenhatten jedoch in Deutschland nie großeBedeutung und traten vor den aus-gebildeten Fakultäten in den Hinter-grund oder verschwanden auch ganz.

Schon damals beschränkten sichdie Studenten nicht auf das Stu-dieren, und selbst Magister triebenmit ihnen alle Exzentrizitäten jugend-lichen Übermutes, wie Trinken, Spie-len, Fechten, Liebesabenteuer u. s. w.,ja schlimmeres, Unfug aller Art beiTag und Nacht; sogar Verbrechen,wie Raub, Einbruch, Mord, Notzucht,kamen vor und mußten verpönt werden.Letzteres zwar ist uns nur von derPariser Universität bekannt; aber beider leidenschaftlichen Erregung derZeit und dem fortdauernden Fehde-recht wird diese Zuchtlosigkeit wohlauch nach Deutschland ihren blutrotenSchatten geworfen haben. Wenigerschlimm, aber roh genug waren die in abgeschwächter Form noch vor kurzer Zeit geübten„Depositionen": Gebräuche bei Aufnahme der Füchse, welche damals Usani hießen.

Zur Herstellung besserer Zucht wurden, wie anderwärts die Kollegien, so in Deutschlanddie Bursen errichtet (von bnrsa, Geldbeutel). Es waren dies Anstalten, in denen Studierendemit gewissen Ceremonien aufgenommen wurden, und in welchen sie, geistlich gekleidet, unterAufsicht eines Magisters oder Rektors zusammen wohnten, speisten, studierten und disputierten;im Falle schwerer Vergehen wurden sie von den Bursen ausgeschlossen. In Heidelberg kosteteim Jahre 1480 das Leben in der Burse nur zwanzig Gulden, 1517 in Leipzig wöchentlichfünf Groschen, obwohl dem Trinken viel Geld geopfert wurde. Da aber das Bestreben dieserHäuser darauf ausging, Mitglieder anzuwerben und dies mit wachsenden Mißbräuchen verbundenwar, entarteten die Bursen, wurden oft sogar zu Schenken, gingen endlich ein und lebennur noch in dem Namen der „Burschen" fort.

Nur von außen ist der Humanismus in die Universitäten gedrungen, nirgends in ihremInnern entstanden, nicht selten wurde er mit entschiedenem Widerwillen aufgenommen. Der in

Gelehrte an Lesepulten im Studium begriffen.

Aus einer Bilderhandschrist vom 15 . Jahrh.: „Mittelalterliches Hausbuch."Nürnberg, Germanisches National-Museum.