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Erster Band.
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Die „fahrenden Schüler". Die erste deutsche Universität. 427

Hauptherd der letzteren, ihre eigentliche Stütze sein müssen. Aber dem war nicht so. Sehen wirnach warum. — Vor der Mitte des 14. Jahrhunderts besaß Deutschland keine Universität; diedeutschen Gelehrten erwarben ihre Grade im Auslande: in Paris die Theologen, in Bolognadie Juristen, in Salerno die Mediziner. Nach dem Muster von Paris gründete im Jahre1348 Kaiser Karl IV. in Prag die erste Universität des Deutschen Reiches. Nach dem Vor-bilde Prags folgten 1365 Wien, 1386 Heidelberg u. s. w., bis zur Reformation fünfzehn.Besonders zahlreich wurden die Universitäten seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts,worin sich dSr große Einfluß bekundet, den der Humanismus auf diese Anstalten übte, währendanderseits die Hochschulen nicht in gleicher Weise auf den Humanismus einwirkten. Noch um1450 aber war unter tausend Geistlichen Schwabens nicht einer, der eine Universität besucht hatte.

Erst nach und nach bildete sich auf den Universitäten das System der Fakultäten aus;am vollständigsten und im innigsten Zusammenhange in Deutschland. In den ersten Jahr-hunderten des Bestehens der Hochschulen nahmen die drei Berufsfaknltätcn, Theologie, Juris-prudenz und Medizin, eine bevorzugte Stellung ein; die vierte, jetzt philosophische, damalsdie der „Artisten", der Schüler der „freien Künste'der Universität verbundenes höheres Gymnasium.

So kam es, daß Knaben vom zwölften Jahre anneben älteren Männern Glieder der Universitätenwaren, sogar neben Verheirateten und Familien-vätern; denn bei der anfänglichen Seltenheit dieserAnstalten und bei der fortdauernden Unsicherheit desVerkehrs und Unstetheit des Lebens war es vielenLernbegierigen erst in vorgerückten Jahren möglich,die ersehnten Studien zu beginnen. Lehrer undSchüler bildeten eine Körperschaft, und es geschahbisweilen, daß Studierenden das Amt des Rektorsübertragen wurde. Diese Körperschaften standenunter dem Schutze von Privilegien, welche zuerstvon den Päpsten erteilt wurden, weil diese dieBildung von Geistlichen als die Hauptaufgabeder Hochschulen betrachteten. Aber auch hierinwetteiferten die Kaiser mit den Trägern derTiara, indem sie selbst Universitäten gründeten,und ihnen folgten die Städte, zuerst im Jahre1392 Erfurt. '

Die Universitäten waren vorerst Wohl dem Namen nach, nicht aber in ihrem Wesen eineneue Erscheinung. Denn ihr anfänglich vorherrschend kirchlicher Charakter zeichnet sie zunächstals Sammelpunkte der damals, vor dem Aufkommen des Humanismus, noch geltenden höchstprimitiven Wissenschaft. Die Theologie, in der die Scholastik noch stets den Ton angab,wurde ohne Bibel nach Thomas von Aquino gelehrt; die Rechtswissenschaft nach dem 6orpnsjnris Justinians und dem kanonischen Recht; die Lehren der Heilkunde wurden nach Galenosund dem Araber Jbn Tina (Avicenna), und nicht ohne Zusatz von magischen: Unsinn, vor-getragen; die Philosophie endlich wurde nach dem christlich zugeschnittenen Aristoteles gelehrt.Von Geschichte und Natnrwissenschaft war keine Rede; denn was man Physik nannte, warhohle Spekulation, und die Geschichte überließen die Gelehrten verächtlich den Chronisten,welche in ihren Büchern die älteren Zeiten mit Fabeln, die neueren mit trockener Aufzählungvon Jahrzahlen und Ereignissen füllten. In der Weisheit der Professoren bildeten Spitzfindig-keiten und Difteleien die Hauptsache; das glücklichste Gedächtnis galt als die tiefste Gelehrsam-keit ; der Vortrag bestand in Diktieren, durchweg nur in elendem Latein und teilweise in gereimtenschlechten Versen über alle Wissenschaften: was man „schwarz auf weiß besaß", konnte man„getrost nach Hanse tragen". Griechisch verstand beinahe niemand, und die hellenischen Klassikerkannte man nur aus schlechten lateinischen Übersetzungen. Die mit solchen Hilfsmitteln erworbenen

genannt, war gewissermaßen nur ein mit

Siegel der Universität Prag, gegründet 1348.Kaiser Aarl IV. vor dem Schutzpatron der Universität, demheiligen Wenzel, knieend und ihm die Stiftungsurkundedarreichend.