Ärzte und Apothekern Fortschritte der Naturwissenschaften.
433
(1490 —1555), selbst Humanist und in Italien gebildet, schuf die Mineralogie und dieBergbaukunde; Graf Neuenaar, Otto Brnnfels und Hieronynms Bock teilten sich indie Begründung der wissenschaftlichen Botanik; Johannes Müller aus Königsberg inFranken (Rcgiomontanus), seit 1471 Lehrer in Nürnberg, arbeitete den späteren größerenAstronomen, Mathematikern und Physikern vor; auch der Arzt Johannes Stöffler warin denselben Wissenschaften thätig, verdunkelte aber den berechtigten Wert seiner Forschungendurch leidenschaftlichen Hang zur Astrologie. Heinrich Loriti aus Glarus, genannt Glareanus,der am Anfange des sechzehnten Jahrhunderts Professor in Basel war, schrieb die erste neuere voll-ständige Geographie, mit Aus-schluß noch der erst entdecktenneuen Welt. Zwei Reichs-stadtpatrizier, der Augs-burger Konrad Peutingerund der Nürnberger Willi-bald Pirkheimer, beideFreunde und Verehrer Maxi-milians I., beide hochge-bildete Humanisten, führtendie Geschichte aus ihrerZwitterstellnng (S. 2 2 9 u. ff.)in das Reich der Wissen-schaft zurück: Peutinger alsArchäolog, Numismatikerund Diplomatiker, wie auchdurch Herausgabe besserermittelalterlicher Historiker;
Pirkheimer durch selbständigehistorische Schriften, in denener sich aber, wie auch inseinen satirischen Gedichten,der römischen Zunge be-diente; doch Pflegte er auchseine Muttersprache liebevollund war der erste, der alteGriechen und Römer in die-selbe übertrug. Lateinischallein schrieben dagegen, un-geachtet ihres hochpatrioti-schen Standpunktes, FranzJrenikus und der durchihn angeregte Beatus Rhe -na uns in ihren freilich nichtim Zusammenhange durchgearbeiteten Darstellungen der deutschen Geschichte. Die wirklichen Her-steller der Geschichtschreibung und die Gründer derselben in deutscher Sprache wurden der BaierJoh. Thurmayr, genannt Aventinus, und der nicht mehr zu den Humanisten zählende SchweizerÄgidius (Gilg) Tschudi aus Glarus: jener ein ebenso glühender Patriot als ernster Mahnrednerseiner Landsleute und dabei entschiedener Reformfreund, dieser aus Friedensliebe eifriger Katholik.Viele minder berühmte Chronisten erzählten in lebendiger Sprache, welche sich oft wahrer Ge-schichtschreibung nähert, die kriegerischen Unruhen und andere Bewegungen und Ereignisse, die inden Städten, welchen sie angehörten, stattfanden; ein treffliches Beispiel hiervon ist das Braun-schweiger „Schichtbuch" vom Jahre 1514. Von historischer Kritik in der Geschichtschreibungist aber während dieser Periode nicht die Rede, ausgenommen bei den Ereignissen, welche die
Deutsche Kulturgeschichte. 28
W
Eine Apotheke. Faksimile eines Holzschnittes aus dem 15. Jahrhundert.