Band 
Erster Band.
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Reuchlin, Erasmus und Hütten.

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was Reuchlin in Deutschland. Den wirklichen Triumph aber ernteten doch die humanistischenFreunde Reuchlins. Ihren Meister zu rächen, verfaßten sie jene unsterblichen „Dunkelmänner-briefe" (LxiMoIaa obsonrornm virornm), die aus dem keck Farbe bekennenden Erfurter Kreisekamen und meist von Crotus Rubeanus und Ulrich von Hütten herrührten. Durch kostbareNachahmung des Küchenlateins ihrer Gegner wurden dieselben in diesen Briefen ebenso scharfverspottet (1515 und 1517), wie sie in einem großen Holzschnitt, der „Minmxllns Oapmonis"betitelt war, grausam verhöhnt wurden. Die reiche, den gefeierten Gelehrten betreffende Litteraturschloß mit einer nach seinem Hinscheiden erscheinenden „Apotheose".

Verfasser der letzteren war das zweite Haupt der Humanisten, Desiderius Erasmusaus Rotterdam (1467—1536), ein Kind der Liebe, früh Waise, erst Mönch, dann ein Feinddieses Standes und sein Leben lang ein vaterlandsloser Wanderer, der für nichts andereslebte, als für die antike Welt und keine andere Sprache redete als die Ciceros, ohne dessenStil in damals beliebter Weise nachzuahmen. Aber solange er auch in Italien, Frankreichund England wirkte, keinem Lande hat seine Thätigkeit in so hohem Grade gegolten, wie derSchweiz, in welchem er auch seine Tage (in Basel) beschloß. Wo er weilte, eroberte er, einCäsar mit der Feder, die Länder für den Humanismus. Im Reuchlinstreite ergriff er nichtPartei, wie er denn, was zu seiner physischen Schwächlichkeit paßte, überhaupt alle Aufregungfürchtete und dem Kampfe den Witz und die Satire vorzog; und darin war er weder zart-fühlend noch gerecht. Er hielt viel auf sich selbst, so starke Blößen er sich, als Bettler beiden Großen dieser Welt, auch gab. Über alles schrieb er, selbst über die Ehe, die er nichteinging, über die Heilkunde, die er nicht gelernt u. s. w., über alles aber elegant. Sein größtesVerdienst liegt in der wissenschaftlichen Erforschung der Sprache von Hellas, und ihm verdanktman die im Jahre 1516 in Basel bei Froben gedruckte erste kritische Ausgabe des griechischenNeuen Testaments, sowie die gegenwärtig in Deutschland herrschende Aussprache des Alt-griechischen. Seine bedeutendsten eigenen Werke sind: die „vertrauten Gespräche", die „Sprich-wörtersammlung" und das „Lob der Narrheit"; das letztere gegen alle Thorheiten der Menschenjener Zeit, alle drei aber gegen die Dunkelmänner jeder Art und jeden Standes gerichtet, undebenso niederschmetternd, wie die „Dunkelmännerbriefe" für Reuchlins Feinde. Von niemandemsind die entarteten Mönche und Theologen so gründlich vernichtet worden, wie von diesementschiedenen Gegner der Reformation, der das Schärfste erst schrieb, nachdem er Romkennen gelernt. Die Religion war eben nicht seine Liebhaberei; die eine, wie die andereihrer dogmatischen Formen stieß ihn ab und störte die Ruhe seines gelehrten Schaffens, wiedie Unbefangenheit seiner Kritik.

Weniger ein Haupt der humanistischen Bewegung, als ein Mann des Überganges vondieser zu einer neuen Richtung, in welcher er mit wenigen anderen seiner Gesinnungsgenossendie Konsequenz der geistigen Bestrebungen der Humanisten erblickte, war Ulrich vonHütten (1488—1523), der zwischen Humanismus und Reformation als einer der deutschestenaller deutschen Männer steht. Ungeachtet seiner Fehler darf das Vaterland stolz auf ihn sein,denn dieselben werden nicht nur durch seine Verdienste weit überwogen, sondern auch durchsein Unglück und sein frühes Ende reichlich wett gemacht, so daß er mit seinen offen ein-gestandenen Schattenseiten eine weit kostbarere Gestalt deutscher Geschichte ist, als alle jeneDunkelmänner, die über ihn hergefallen sind und doch an ihrer Seele weit schlimmereSchäden herumtrugen, als er an seinem Körper. Er steht daher als ein würdiger Schlußsteinder humanistischen Bestrebungen da und konnte mit Recht begeistert ausrufen: „O Jahrhundert,die Studien blühen, die Geister erwachen, es ist eine Lust zu leben!"

Hütten entwickelte in seinem kurzen Leben, welches das Drittel eines Jahrhundertsnicht weit überschritt, eine bewundernswerte Vielseitigkeit. In allem und für alles, wasseine Zeit bewegte, lebte und wirkte er mit. Dem hinsterbenden Humanismus gehört er andurch zahlreiche lateinische Gedichte und Prosaschriften; die Versuche, das hinsiechende Reichwieder zu beleben, unterstützte er durch rege politische Thätigkeit und selbst als Soldat; ander wieder zu kurzer Blüte emporstrebenden deutschen Litteratur schaffte er mit als 'einer ihrerBahnbrecher, und endlich wirkte er an den Anfängen der Reformation als ihr feuriger Partei-