444 Drittes Buch. VIII. Schrifttum und Kunst am Ende des Mittelalters.
Meistersinger, welche eine andere Zeit als die des Wiedcraufblühens der deutschen Dichtungvertraten, in das nächste Buch dieses Werkes verweisen.
Einzelne Meistersinger indessen erhoben sich über den gewöhnlichen Troß und schufenaus sich selbst heraus; so namentlich in Nürnberg der Büchsenmcister Schnepperer oder HansRosenplüt, der Sänger des Freiheitskampfes der Nürnberger gegen die Fürsten (S. 334n. 359) und der aus Worms stammende Barbier Hans Foltz im fünfzehnten, vornehmlichaber der Schuster Hans Sachs im sechzehnten Jahrhundert. Solche selbständige Dichter sindschon vor der Reformation nicht selten; wohl aber hervorragende Arbeiten von ihnen. Inder Muttersprache dichtend, sind sie mit dem Streben und den Zielen eines großen Teilesder Humanisten durch die scharfe Opposition gegen die kirchlichen Zustände, namentlich gegen
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Des Helden WiLtich Kampf mit dem Riesen Asperian.
Faksimile eines Holzschnittes aus dem „Heldenbuch", gedruckt zu Straßburg - Hagenau im Jahre 1509.
die Sittcnlosigkeit der Geistlichen, gegen die entarteten Ritter, gegen tyrannische Fürsten,gegen Laster aller Art geistig verbunden.
So eigenartige Talente waren es auch, deren das Volk bedurfte, um seine Litteraturdurch größere Werke, deren die gewöhnlichen Spielleute nicht fähig waren, zu bereichern.Als solche sind die Volksbücher und die Volksspiele entstanden, welche mit den Volks-liedern und Volkssprüchen gemein haben, daß sie den Volkston treffen, aus dem Volke zustammen scheinen, und daß ihre Verfasser meist unbekannt sind. Sagen und Geschichten, diesich unter dem Volke mit allerlei Ausschmückungen erhalten haben und von gewandterenHänden zusammengefügt wurden, bilden die Stoffe der Volksbücher; wie z. B. desjenigenvom „hörnen Sigfrid", in dem sich die in volkstümlicher Weise aufgefaßte Umwandlung derHeldensage vom göttlichen Drachentöter aus den mythischen Heroengesängen der alten Deutschendarstellt. Mehr Interesse aber als diese nicht mehr verstandenen Reste der Vorzeit erwecktedie Tiersage; zwar auch ein alter, aber stets neu bleibender Gedanke, der nach manchenWandelungen in der Gestalt des niederdeutschen „Reincke Bos" auftrat und den unerschöpf-