Verfall des Reiches. Auftreten Maximilians I. 403
unter Ferdinand und Jsabella) sich konsolidierten, ward der Kaiser (von dem ungarischen KönigeMathias Corvinus) aus seinem Erblande verjagt und zog als ein Flüchtling im Reiche umher;er nahm sein Mahl in den Klöstern und den Städten des Reiches, wo man ihn umsonstbewirtete; mit den kleinen Gefällen seiner Kanzlei bestritt er seine übrigen Bedürfnisse; zuweilenfuhr er mit einem Gespann Ochsen seine Straße! Niemals, er fühlte es selbst, war dieHoheit des Reiches in niedrigerer Gestalt einhergezogen; der Inhaber einer Gewalt, welcheihrer Idee nach die Welt beherrschen sollte, forderte gleichsam das Mitleiden heraus."
Mit Notwendigkeit mußten diese traurigen Zustände in weiten Kreisen das Gefühlhervorrufen, daß die Verfassung des Reiches der Verbesserung in dringendstem Maße bedürfe.Die erleuchtetsten Geister Deutschlands erfüllte der Gedanke, daß die Zwiegestalt von Kaiser-und Papsttum sich endlich überlebt habe und daß an ihre Stelle ein einiges und mächtiges, einwahrhaft deutsches Reich treten müsse, welches mit den westlicheren Staaten Europas an Festig-keit wetteifern könne. Schon wurden die päpstlichen Legaten nicht mehr zu den reichsständigenVersammlungen eingeladen; zu dem Landfrieden, der die endlosen Fehden und Unruhen stillenund die Rechtssicherheit befestigen sollte, wurde die Beihilfe des Papstes nicht mehr in Anspruchgenommen. Die lange durch Zwietracht getrennten Fürsten und Städte des Reiches ver-einigten sich, zur Voll-ziehung des Landfriedensein oberstes Gericht ein-zusetzen, dessen Vorsitzenderdann vom Kaiser zu er-nennen wäre. Der schwacheFriedrich III. aber, derseine Zeit mit Alchemie,
Astrologie und anderemAberglauben vergeudete,setzte diesen Bestrebungeneinen beschränkten Eigen-sinn entgegen und nahm esmit eifersüchtiger Tücke auf,als die Kurfürsten seinenSohn Maximilian umdes öffentlichen Wohleswillen zum „römischenKönig" wählten.
Maximilian, der „letzte Ritter" genannt, steht als eine wahrhaft ritterliche Gestalt ander Wende zweier Zeitalter. Unter ihm stiegen die Turniere (S. 251) noch einmal zukurzer Blüte empor, bevor sie zu Klopffechtereien entarteten. Sie wurden mit großer Prachtgefeiert; Ritter wie Pferde erschienen in glanzvollem Aufzuge, vollständig gerüstet und gepanzert,die Rosse vom Kopfe bis auf die Fesselgelenke mit flatternden, bunten Seiden- und Samt-decken behängen, in denen nur für die Augen und Nüstern Ausschnitte angebracht waren.Strenge Turniergesetze wurden gegeben, nach welchen bestraft wurde, wer, wie Hans Sachsreimt, „ketzerischen Glauben hat, wer veracht kaiserlich Mandat, wer Frauen schänd, schwächtreine Maid, wer Siegel fälscht und schwört Meineid, wer Feld fleucht, läßt seinen Herrnin Nöt, wer seinen Bettgcnoffen ertöt, wer beraubt Kirchen, Witwen, Waisen, wer nnab-g'sagt thut kriegen und reisen, wer nen Zoll, Maut und Beschwert» anfricht, wer nicht in Ehgeboren oder die Eh bricht, wer Fürkauf, Wucher, Wechsel treibt, wer nicht in edelmStamm verbleibt."
Aber wohl lieber als in den festgesetzten Formen des Turniers bewegte sich Kaiser Maxin der freien Natur auf dem edeln Waidwerk, wobei er frisch und frei mit seinem geliebtenVolke verkehren konnte. Das „geheime Jagdbuch" des Herrschers, der sich gern als einen „Königvon Österreich" träumte, lehrt, wie sehr er dieser Lust nachhing. Er kleidete sich bei derselben
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Silüermttnze, Thaler, von Maximilian I. Originalgröße.
Aus der Vorderseite das Hüstbild des Kaisers, gekrönt und gepanzert, in der Rechten dasScepter, die Linke am Griff eines por ihm stehenden großen Schwertes; Umschrist: » iiNVXI-bllNILNVS NOINL.NOL' IINI>LNä.rOL . WiNMssr) ^.VLU(ustus). Auf der Rückseite dieWappenschilder des deutschen Reiches, pon Ungarn, Österreich, Burgund und Habsburg.Darüber die Kaiserkrone. In den Zwischenräumen die Feuerstahle der Kette des goldenenVließes. Umschrift: « NNVNIVLItZ . LVL0NL . N(ro)VIN0ILN' nnx - LN 0NINOLN8 .oODLN(tissiinus). Berlin, kgl. Münzkabinett. (Nach Jul. Friedlaender.)