404 Drittes Buch. IX. Das Reich und die Ausbreitung der deutschen Kultur.
MW
Turnierrüstung Maximilians I.
Wien, k. k. Art.-Ars.-Museum.
Dieser „Stechzeug" ist eine deutsche Arbeit aus dem letzten Vierteldes 15. Jahrhunderts. Der Stechhelm, an der rechten Seite miteinem durch ornamentiertes Gitterwerk verschlossenen „Luftgeber"versehen, ist am unteren Teile des steifen Halses dreimal mit demBruststück verschraubt, hinten aber mit dem steifen Genick durchdie „Helmzagelschraube" an dem Rücken befestigt. Auf diese Weisewurden Brust, Helm und Rücken zu einem unbeweglichen Ganzenverbunden, wodurch allein es ermöglicht wurde, den Stoß der Stech-stange, die ja meist die Stärke einer Wagendeichsel hatte, auszuhalten.Der Stoß verteilte sich auf den ganzen Oberkörper und auch auf denSattel vermittelst des auf dem Sattelkissen aufstehenden Gesäßschurzes.Letzterer bewirkte auch, daß die Last der Rüstung, 68 Wiener Pfund,weniger auf dem Ritter als vielmehr auf dem Sattel ruhte. Diegeschobenen und gekehlten Achselstücke hängen mittels Zapfen an deneisernen Tragbändern des Brust- und Rückenstückes. Die linke Hand,die „Zügelhand", ist durch eine vorzüglich gearbeitete getriebene„Tatze" gedeckt. Der Schutz für die rechte Hand befand sich an derStechstange. Auf dem an der Brust angeschraubten vorderen Rüst-haken sieht man das Kreuz von Burgund; derselbe diente zum Auf-legen der Stange und ihm entspricht der Hintere Nüsthaken. Dievon den Schultern herabhängenden Scheiben schützen die Achselhöhlen.Die Löcher im Bruststück dienten zur Befestigung der „Tartsche", derSchild, auf den der Stoß der Stange fiel. Dieser Stechzeug wurdegebraucht zum „löblichen gemeinen deutschen Gestech" und „zum Gestechim hohen Zeug mit geschlossenem Sattel". (Nach Q-. Lettner.)
höchst einfach, jeweilen der Jahreszeit undWitterung angemessen, trug stark mit Eisenbeschlagene Bcrgschnhe, ein kurzes Schwert,Armbrust, Bergstock und Wurfspieß aus natur-wüchsigem Holz, sowie ein Rufhorn. Speisenund Wein trug man ihm in einer Butte nach.Er war schwindelfrei, doch vorsichtig; beimAufsteigen ging er voran und beim Absteigenhintennach, um nicht vvn herabfallenden Steinen,getroffen zu werdexi, welche unter den Trittenseiner Begleiter sich lockerten. Er spürteGemsen, Hirschen und Rehen nach und be-obachtete sie. Wahrscheinlich beteiligte er sichauch an Bärenjagden. Sein liebstes Jagdrevierwar in den Bergen Tirols. Viele Gefahren,die Lawinen und Felssturz bereiteten, bestander hier; die Erzählung von seinem Versteigenan der Martinswand ist jedoch Dichtung. Inseinem Flandern war er einst in Gefahr, VvmLeithunde in einen Abgrund gerissen zu werden,ein andermal wäre er fast statt des Wildes einOpfer des Bolzens geworden. In Nieder-schwaben wurde er bei einer Wildschweinhetzeim Winter auf dem Eise von einem Eber an-gegriffen, den er von dem schon verwundetenRosse herab nur mit Not erlegen konnte. DieFalknerci fand unter Kaiser Max noch eifrigePflege; auch lange nach ihm noch wurdendie deutschen Fürsten, namentlich von Preußenaus, wo der Hochmeister des deutschen Ordensgroßartige Falkenzucht trieb, häufig mit „Feder-spiel" bechenkt. Büßten doch Maximiliansbeide Gemahlinnen, Maria von Burgund undBlanka Sforza, durch Sturz mit dem Pferdeihr Leben ein, als sie mit ihren Falken aufdie Reiherbeize geritten waren.
Auch in anderen Beziehungen war Maxkein Verächter des Lebens. Er tafelte gern,besonders mit den wenig ceremoniösen Patri-ziern von Augsburg. Bei der Huldigungdieser Stadt im Jahre l 496 beteiligte er sichsowohl an den Tänzen wie anderen ritter-lichen Übungen und ließ einen 95 Fuß hohenblumenbekränzten Holzstoß durch seinen Sohn
Philipp und die schöne Jnnkerstochter Susanna Neidhart als Jvhannisfeuer anzünden, umwelchen dann das Paar herumtanzte. Ja der Kaiser verlebte, wie es in Zeitberichten heißt, dieFasnacht in der lustigen Reichsstadt oft „toll und voll" und soll dort auch galante Abenteuernicht verschmäht haben. Das Hans Fugger lieh ihm auf seinen Kaisermantcl und die Krvn-juwelen 800 000 Dukaten, als er den seltsamen Plan hatte, nach Julius II. Tode Papst zuwerden! Im September 1518 nahm er den ergreifenden letzten Abschied von der Stadt.
Maximilian I. war den Stürmen, die seine Zeit bewegten, nicht gewachsen, bewirkte aberdoch Bedeutendes. Er befreite seine Erblande von den Magyaren; in Schwaben bändigte er