472 Drittes Buch. IX. Das Reich und die Ausbreitung der deutschen Kultur.
Sprache blieb, — das Deutsche siegte dennoch undfür immer. Dem Aufblühen der schlesischen Gaue waraber ihre politische Zersplitterung in viele kleine Fürsten-tümer, deren Beherrscher nicht selten entartet waren,höchst schädlich. Einer dieser Miniaturdespoten, HerzogHans von Saga», ließ im Jahre 1488 sieben Rats-männer seiner Hauptstadt im Gefängnis verhungern,weil sie seinem Befehl nicht folgen, einen Vertrag nichtbrechen wollten; im Kerker haben sie selbst ihr schauer-liches Schicksal, für das sie ihren Peiniger dem GerichteGottes überantworteten, in ergreifenden Worten ge-schildert, die sie mit einer Tinte niederschrieben, welchesie sich aus verbrannten Lichtdochten bereiteten. Einanderer Fürst dieser Art, Herzog Nikolaus vonOppeln, ein echter Pole, der kein Wort Deutsch ver-stand, versuchte bei einem Fürstentag in Steiße imJahre 1497 in einem Wahnsinnsanfall den FürstenKasimir von Teschen und den Bischof Johann vonBreslau zu ermorden, wurde aber ergriffen, vomVolke mit Lynchjustiz bedroht und nach summarischemProzesse vor dem Rathause zu Neiße enthauptet.
Mit der Zeit verschmolzen die slawischen Ur-einwohner und die deutschen Kolonisten im Osten undNordosten des Reiches zu einem einzigen deutsch-sprechenden Volke, in dessen Charakter sich slawischeLebhaftigkeit und Leichtlebigkeit mit germanischer Ge-mütstiefe verband. Davon waren nur die Tschechenin Böhmen und Mähren, die Polen in Oberschlesienund ein Teil der Wenden in der Lausitz ausgenommen.
Harte Kämpfe waren den friedlichen Ansiede-lungen der Deutschen in vielen Gegenden voran-gegangen, nirgends aber hatten sie so herbe und blutigeOpfer gekostet wie in dem von nordischen Nebeln um-lagerten Ostseeküstenlande Preuße n. Dort griff eineEntwickelung ganz eigener Art Platz, wie sie sonst nichtihresgleichen gehabt. Denn dort allein war es, wodas Ziel der Bestrebungen, welche die westeuropäischenKreuzfahrer ins Morgenland führten, die dort aber dasSchicksal unerfüllt ließ, auf die Dauer verwirklichtwurde. Dort ist zu der Möglichkeit der Entstehungdes heutigen deutschen Reiches der Grund gelegt worden.Der Urheber dieses Werkes war der zu AkkvnOrdenstracht der Deutschherren. aus einem von Hansakaufleuten errichteten Hospital
GrabsteindesLandgrasenA°nrad>>o,>Thuringeii(fi24z), hervorqewachsene deutsche Ritterorden. DerselbeHochmeister des deutschen Ordens. ^ . . . . ^ ^ ^ ,
In der Elisabethkirche zu Marburg. (Nach Hefner.) jklNL Ul sLll 12^0,
zuerst unter dem Hochmeister Hermann von Salza,dem Freunde Kaiser Friedrichs II., bestehende Niederlassung als eine Fortsetzung und einenZweig seiner Thätigkeit im heiligen Lande. Daher nannte er die ihm Widerstand leistenden,mit dem Stamme der Letten verwandten, halbwilden Preußen häufig Sarazenen oder Türkenund wandte gegen die Heiden, mit denen er freilich an eiserner Grausamkeit zu wetteifern gezwungenwar, ganz dieselbe Kriegsmethode an, wie gegen die Mannten. Mehrere Ortschaften erhieltenaus Palästina entlehnte Namen, wie Jerusalem, Ägypten, Gosen; wohl nach Toron ist Thorn
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