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Zweiter Band.
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Auswüchse der reformatorischen Bewegung.

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in seinen Niederlanden, sein Bruder Ferdinand in Österreich, die bairischen Herzoge, Georgvon Sachsen, Friedrich des Weisen andersgesinnter Better, und natürlich besonders die geistlichenFürsten gegen die Bewegung wüteten. Sie ließen nicht nur die für sie wirkenden Preßerzeug-nisse, sondern auch abtrünnige Mönche und reformatorische Prediger verbrennen oder einmauern.Karl V. wohnte in Antwerpen selbst dem Feueropfer von vierhundert lutherischen Schriften bei.

Während der Reformator hinter den Mauern der Wartburg am stillen Werke seiner Bibel-übersetzung schaffte, trat Andreas Karlstadt, mehr ein Mann der That als des Wortes, inWittenberg an die Spitze einer Partei, welche, was Luther noch nicht gewagt, den Cölibat, dieKlöster und die Messe verwarf, ja sogar in vielem an der Bibel zweifelte. Schon heiratetenGeistliche, und Mönche verließen ihre Zellen. In Zwickau sammelten sich unter dem Tuch-macher Klaus Storch Fanatiker, welche die Kindertaufe verwarfen und behaupteten, das Endeder Welt und das Reich Gottes nahe heran. Sie wurden vertrieben; geführt von ThomasMünzer aus Stolberg flohen sie teils nach Böhmen zu den Husiten, teils aber zogen sie alsvollendete Kommunisten und Anarchisten Andreas Karlstadt zu. Dieser schritt jetzt zur Ab-schaffung der Beichte und der Fasten, zur Entfernung der Bilder, die er „Ölgötzen" nannte,und selbst zur Beseitigung des Kruzifixes vor; ja er erklärte Schule und Wissenschaft für über-flüssig, weil allein der Glaube selig mache. —- Der zurückkehrende Luther wußte diesem wahn-witzigen Treiben gegenüber nicht anders zu helfen, als daß er manches davon beibehielt, waser später selbst wieder abschaffte; noch immer wollte er sogar ein Mönch sein. Er stand damalsauf dem schönen Standpunkte der Glaubensfreiheit und mochte niemanden zu etwas zwingen;aber es wäre ihm Wohl schwer geworden, wenn Münzer, Karlstadt und ihre Anhänger nichtWittenberg verlassen hätten. Der heftige Schriftenwechsel jedoch, zu dem sie ihn von auswärtszwangen, bahnte in seinem Geiste schärferem Vorgehen den Weg.

Die Ritter Sickingcn und Hütten waren von der Berührung mit den religiösen Aus-schreitungen frei geblieben, hatten aber an der Erreichung ihrer Politischen Ziele gearbeitet,— freilich auf ihre Art und mit Unglück! Sickingen hatte unter seinen Standesgenossen dasRaubrittertum und das Fehdewesen zu Grabe getragen; kopflos unternahm er einen Krieggegen den Erzbischof von Trier, mit dem der allgemeine Sturz der altgesinnten Fürsten be-ginnen sollte, und fiel bei der Verteidigung seiner belagerten Burg Landstuhl. Hütten endeteals kranker Flüchtling, in Basel von Erasmns schnöde zurückgewiesen, auf feiner einsamenInsel (I. S. 438). Dieses kurze Asyl aber hatte ihm ein Mann verschafft, in dem sich nunauch auf dem religiösen Gebiete die eigenen Wege offenbarten, welche die Schweiz, vom Reichesich absondernd und sich selbst genug, eingeschlagen hatte. Huldrich Zwingli war früherZeldprediger im päpstlichen Schweizerheere, verschmähte aber seine päpstliche Pension und ver-kündete seit dem Anfang des Jahres 1519 als Prediger in Zürich, ebenfalls durch den Ablaß-handel gezwungen, das reine Evangelium. Er zeigte sich in dem Maße über Luther hinaus-geschritten, als die Schweizer in politischer Beziehung dem „Reiche" vorangegangen waren.Luthers Standpunkt war der für die monarchischen Staaten jener Zeit allein passende, — derZwinglis war dem Volke einer Republik angemessen, — daher erwies es sich als unmöglich,daß beide Hand in Hand gingen.

Während Zwingli den fortschrittlichen Teil der Schweizer mit sich fortriß, erhielt ereinen äußerst schmeichelhaften Brief von Hadrian VI., jenem Papste, der nach einer moralischenBesserung der kirchlichen Kreise strebte, ihr Glaubensshstem aber in nichts zu ändern willenswar. Dieser Niederländer, der letzte Nichtitaliener auf dem Stühle Petri, welcher Karls V.Lehrer und Großinquisitor von Spanien gewesen war, bekannte offen, daß „alle Prälaten undGeistliche vom rechten Wege abgewichen, und daß kein einziger gewesen, der Gutes gethan";er nannte die deutsche Ketzerei ein göttliches Strafgericht über die Sünden der Menschen undbesonders der Priester. Dieser Papst, über dessen Tod nach kurzer Spanne Zeit die Römerjubelten, weil jede Verbesserung ihnen xunsm st eiresusss, d. h. Verdienst und Prachtfesteentzog, — versprach dem schweizerischen Reformator „alles, außer dem päpstlichen Throne",wenn er sich zn Rom bekehre. Der kecke Schweizer aber antwortete „unentwegt und christlich";ihm war die „Armut Christi" lieber als die „Pracht der Päpstler". Zwingli hatte hart mit