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Zweiter Band.
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Lukas Cranach d. Ä. Die Totentänze.

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gerade von Vorteil gewesen. Von der Kraft und Tiefe Dürers und Grünewalds sind dieselbenweit entfernt. Die Ableitungen, welche daraus entsprangen, daß er für Luthers Reformwerkenergisch eintrat, von der Verwaltung der Stadt erst als Ratskämmerer, dann zweimal alsBürgermeister in Anspruch genommen wurde, daß er Hausbesitzer war, eine Apotheke erwarbund sich sogar eine Buch- und Papierhandlung einrichtete, das alles konnte nicht ohne be-einträchtigenden Einfluß auf die künstlerische Entwickelung und Ausgestaltung des Meistersbleiben. Dennoch weist derselbe eine erstaunliche künstlerische Fruchtbarkeit auf, die nur beieiner großen Hast in seiner eigenen Thätigkeit und durch die Mitwirkung vieler helfender Kräftemöglich war. So vereinigen sich die verschiedenen hervortretenden Züge aus Cranachs Lebenzu einem charakteristischen Kulturbilde seiner Zeit; die Schlußstriche darin fügen ihm den schönenZug echt deutscher Treue hinzu: als nach der Schlacht bei Mühlberg (S. 27) Cranachs Kur-fürst Johann Friedrich als Gefangener Kaiser Karls V. weggeführt wurde, bestellte Cranachsein Haus in Wittenberg und zog mit seinem Herrn in die Gefangenschaft, die er bis zu ihrerAufhebung, fünf Jahre, teilte. Anderthalb Jahre danach starb er in Weimar.

Das phantastische Element der Kunstauffassung des Nordens erreichte seinen ergreifendenHöhepunkt in einer eigenartigen Richtung, der des Totentanzes. Es war aber in derselbenweder Selbstzweck noch abenteuerliche Träumerei, sondern umkleidete damit eine moralische undsoziale, ja in manchen Momenten selbst eine religiöse und politische, mit der Reformbewegungzusammenhängende Tendenz. Wahrscheinlich zur Erinnerung an die furchtbaren Seuchen desMittelalters war der Totentanz schon gegen Ende des vierzehnten und das ganze fünfzehnteJahrhundert hindurch erst in Reimsprüchen dramatischer Vorstellungen und später auch in Bild-werken aufgetreten (I. S. 454 f.). Diese schauerlichen Darstellungen, in denen der klapperbeinige,häufig musizierende Tod Vertreter aller Stände zum letzten Tanze abholt, bedeckten die Kreuz-gänge der Klöster und die Mauern der Frithöfe in Italien, Frankreich, Deutschland und Eng-land, und wurden mit den dazu gehörigen Versen in Holzschnitt und Druck veröffentlicht.

In der wilderregten Reformationszeit erhielten diese phantastischen Gebilde den Inhalteiner Opposition gegen die Reichen und die Hochstehenden in Kirche und Staat. Künstlerischaufgefaßt wurde der Totentanz zuerst von dem schon genannten Hans Baldung (1517). Inumfassenderer Weise aber behandelte den schauerlichen Stoff der an der Reformation in Bernlebhaft beteiligte Maler und Dichter Nikolaus Manuel, genannt Deutsch, an der Kirchhofmauerdes Dominikanerklosters seiner Vaterstadt, der dem Ganzen durch die Ähnlichkeit der Gestaltenmit wirklichen Personen und durch den schweizerisch-landschaftlichen Hintergrund ein neuesGepräge gab. Der Tod ist bei Manuel die Hauptfigur; er überragt seine Opfer zum Zeichenseiner Macht; er ist (wie früher überall) kein bloßes Gerippe, sondern besitzt Haare, zerfetzteMuskeln und ist oft in ein Grabtuch gehüllt. In des Malers eigenen Reimen sagt der Todzum Papste:

Wie gsallen üch Herr bapst die ding, die drhfach krön müssend ir mir lan

ir danzend such an disem ring; und üwern sässel lassen stau.

An die Mönche richtet er sich mit den beißenden Versen:

Ir manchen mestend üch gar wol, reißend wölf in eim schafskleid,

ir steckend aller Sünden voll, ir müssend mit danzen, wers üch leid.

Für eine Mutter dagegen hat der Tod eine Milderung seines harten Wortes:

Ei, sraw, das lind nmst du mir lan, es ist besser, du lassest also sterben,

es muß danzen und kann nit gan,- es mecht villicht zum buben werden.

Als letzte mit dem Tode ringende Figur malte der geniale Künstler sich selbst, und er ist inder That allzufrüh hingeschieden (1530).

In dem Italiens Grenzen nahe liegenden Schwaben erinnerten die Werke deutscher Kunstschon mehr als im Norden an ihre heitere, lebensvolle südliche Schwester. Auf den altenHans Holbein (I. S. 458) folgte in Augsburg, dem „Vororte der schwäbischen Malerei",Hans Burgkmair (1473—1531), der die italienischen Einflüsse auf sich wirken ließ, dasWohlgefallen an Form und Farbe zur Geltung brachte und in seinen Bildern Vorliebe für