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Zweiter Band.
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Viertes Buch. IV. Die Gegenreformation.

Waren vielfach geteilt, manche derselben sogar in Mehrheit evangelisch. Es fehlte daher nichtmehr viel an einer Wiederherstellung in anderer Form der infolge des Auftretens Lutherszerrissenen religiösen Einheit. Auch bestand unter dem Volke keine Abneigung zwischen denAnhängern beider Religionsparteien. In zahllosen Familien waren beide vertreten, ohne daßdies den Frieden unter ihnen störte, und gemischte Ehen waren keineswegs verpönt. Es gabGeistliche, die beiden Bekenntnissen abwechselnd, und verheiratete Priester, welche katholischgebliebenen Gemeinden als Seelsorger dienten.

Aber das Böse mußte fortzeugend Böses stets gebären. Und das Böse war, daß die Kirchenicht im fünfzehnten Jahrhundert, gleich nach dem Konzil von Konstanz, oder während desselben,als die Völker noch mit wenigem zufrieden waren, eine Verbesserung ihrer Zustände vor-genommen hatte. Aus dieser Unterlassung entstand die Reformation; diese reizte das Papsttumzur Gegenreformation; weil beides aber erzwungene Bewegungen waren, erzeugte keine vonihnen, wenigstens vorläufig, irgend welche gesunde oder erfreuliche Zustände, sondern beidegebaren nur Haß, Verfolgung, Verketzerung und Vernichtung.

Daß die katholische Kirche, um nicht noch mehr zu verlieren und um von dem Verlorenenwomöglich wieder etwas zurückzugewinnen, sich bessern müsse, darauf verfiel weder der inseinen politischen Kombinationen so unglückliche Mediceer Clemens VII., noch der prunkliebendeund seine Familie bereichernde Farnese Papst Paul III. Die. Mönche waren es, welchejenen Gedanken faßten und bewirkten, daß er auch das Papsttum ergriff und staunenswerteErfolge errang.

Neue Orden schössen damals gleichsam aus der Erde. Während des zweiten Viertels dessechzehnten Jahrhunderts, wie um gegen die Reformation zu Felde zu ziehen, entstanden dierauhen und derben, aber volkstümlichen Kapuziner, die dem leidenden Teile der Mensch-heit aufopfernd beispringenden Barmherzigen Brüder, die sanften, sittsamen und an Gelehr-samkeit streifenden Theatiner und andere, welche hauptsächlich oder ausschließlich in Italienwirkten und dort jeden sprießenden Keim der Opposition gegen die herrschende Kirche erdrückten.Keine dieser Vereinigungen aber erreichte an Macht und geschichtlicher Bedeutung den letztenund jüngsten Orden der Kirche, den der Gesellschaft Jesu. Und beinahe zugleich mit ihmbegründete (1543) Papst Paul III. durch seine Bulle „liest ab initlo" die römische Inqui-sition, nach dem Muster der spanischen. Sechs Kardinäle, der finstere Caraffa und JuanAlvarez de Toledo voran, erhielten als Kommissarien des päpstlichen Stuhles und Inquisitoren„dies- und jenseit der Berge" die Gewalt, an allen Orten, wo es ihnen beliebe, gegen jeder-mann, ohne Unterschied des Standes, um des Glaubens willen einzuschreiten, die Schuldigenam Leben zu strafen und ihre Güter zu verkaufen, und mit allen Mitteln die „Irrtümer"auszurotten. Der Papst behielt sich die Begnadigung vor. Caraffa, der spätere Paul IV,hatte nichts Eiligeres zu thun, als Gefängnisse einzurichten, Blöcke und Ketten anzuschaffenund den Index der verbotenen Bücher einzuführen. Schrecken erfüllte die Neugläubigen; dieSchwachen unter ihnen bekehrten sich, die Starken aber flohen ihr Vaterland.

Da somit in Italien der schwache Protestantismus, der für das dortige Volk nicht Paßt,leicht zu unterdrücken war, so konnte und mußte die hauptsächlichste Kraft der sogenanntenGegenreformation auf Deutschland, das Mutterland der neuen Glaubensrichtung, verwendetwerden.

Die meiste Aussicht zu diesem Unternehmen bot sich natürlich in Österreich, Baiern undden geistlichen Fürstentümern dar. Wenn dort die Staatsoberhäupter ernstlich wollten und dieKraft dazu hatten, so war nach dem anerkannten Grundsätze: „ouius re^lo, eins reliKio" (S, 28)das Volk gezwungen, ihren Glauben als den seinigen anzuerkennen. Diese Kraft aber hatten jeneFürsten bisher nicht an den Tag gelegt; die überwiegende Mehrheit ihrer Unterthanen warprotestantisch geworden. Namentlich in Österreich, sogar in Tirol, hatte die neue Lehre einemächtige Verbreitung gefunden; Steiermark, wo sie durch sächsische Bergleute eingeführt worden,gehörte ihr fast vollständig an. Hier, wie in Krain und Kärnten, förderte der Adel denProtestantismus eifrig; hohe Beamte bekannten sich zu ihm, und die Universität Wien, an derdie theologische Fakultät ganz verkam, wurde für Luthers Lehre eine feste Burg. In Schlesien