Melanchthons Tod. Die Flacianer. Das Konzil zu Trient. 47
Nur was über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Trient beschlossen war, er-regte bei vielen Mächten Anstoß; Frankreich und Spanien haben die Lehre, daß der Papst überden Königen stehe, daß Monarchen keine Gewalt über die Geistlichkeit ihrer Länder hätten,niemals anerkannt. Selbst so eifrige Katholiken und Ketzerverfolger wie Philipp II. vonSpanien und Ludwig XIV. von Frankreich beharrten auf diesem Standpunkte. Aber KaiserFerdinand I., Karls V. Bruder, welcher überhaupt für Reich und Volk nichts fühlte undnur auf die Größe der österreichischen Lande bedacht war, durch die er einen Druck auf dasübrige Reich auszuüben suchte, dieser Kaiser anerkannte die Trienter Beschlüsse unbedingt.Dies hat, so lässig und selbst widerwillig die meisten Reichsstände, sogar die geistlichen, sichin ihrer Anerkennung zeigten, für Deutschland die tiefgreifendsten Folgen gehabt. Durch dieseThatsache ist halb Deutschland wieder zur römischen Kirche zurückgeführt, sein Süden eineEroberung der Jesuiten, das Reich zum Schauplatze neuer Religionskriege geworden.
Ausländische Gesandte vor dem Kaiser.Faksimile eines Holzschnittes von Jost Amman (1538—1591).
In tiefer Schmach lag das Reich danieder. Nicht nur die religiösen Parteien zerrissenes; auch politische arbeiteten an seiner Auflösung. Ferdinands Sohn und Nachfolger, Maxi-milian II. (seit 1564—1576), war in jüngeren Jahren ein Anhänger der Reformation ge-wesen, hatte sich aber später wieder dem Katholizismus genähert und schließlich völlig ergeben.Auch er war der schweren Aufgabe nicht gewachsen, den zerstörenden Gewalten Trotz zu bieten,die von außen wie von innen auf das Reich losstürmten.
Frankreich stand im Bunde mit den Türken und hätte sich keinen Augenblick bedacht, mitdiesen Barbaren Europa zu teilen. Noch war der Halbmond im Wachsen, und die Deutschenmußten im Jahre 1568 die Schande erleben, daß ihr Kaiser, dessen Kasse der Krieg erschöpfthatte und dessen Heer entmutigt war, dem Osmanen dreißigtausend Dukaten jährlichen Tri-butes zuzusagen genötigt werden konnte. Aber auch ein Deutscher war es, freilich ein hispani-sierter, Johann (Don Juan) von Österreich, Sohn Kaiser Karls V. und einer Regens-burgerin, der in dem glorreichen Seesiege bei Lepanto (1571) den Türken die erste Niederlage