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Zweiter Band.
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Man heistden Meistervngelehre/So der Schüler kein fleiß ankehn-

Eine Schulstube im 16 . Jahrhundert.

Faksimile eines Holzschnittes von Hans Burgkmair ( 1473 —IS 31 ) in den „Bildern zu Schimpf und Ernst"

Fünfter Abschnitt.

Aberglaube, ^ustizbarbarei und Regentenwillkür.

I./ie zerfahrenen kirchlichen Zustände übertrugen sich folgerichtig auf die Schule jener Zeit;nur den konfessionellen und einseitig gelehrten Zwecken diente sie und war so undeutsch,so unwissenschaftlich wie möglich. Wohl hatten die Reformatoren, wie schon vor ihnen erleuchteteMänner, mehrfach den Anlauf zur Schöpfung einer Volksschule genommen; allein alles wasauf diesem Felde geschah, wurde von den konfessionellen Tendenzen vollständig aufgesogen.Sowohl die Katholiken als die Protestanten sahen in der niederen Schule nur Anstalten zurHeranziehung von Glaubensgenossen; in den Gelehrtenschulen nur Ausbildungsstätten für Geist-liche. Im Interesse beider Kirchen wäre es gewesen, ihre werdenden Prediger in der Volks-sprache auszubilden. Dies geschah aber nicht; die Muttersprache wurde verachtet. Es ist nament-lich das Werk des verspäteten Humanisten Melanchthon und seiner pädagogischen NachfolgerTrotzendorf, Neander und Sturm, daß auf den damaligen Gymnasien, in Schwaben den„Klosterschulen", in Sachsen den „Fürstenschulen", das Latein die Alleinherrschaft führte. NurPhilologie und Mathematik wurden gelehrt, von Geschichte und Naturwissenschaften war keineRede. Auf den Universitäten, soviele ihrer auch im sechzehnten Jahrhundert aufblühten, wares nicht besser bestellt; denn sie verfolgten im wesentlichen alle den Hauptzweck, entweder demProtestantismus (Luthertum oder Calvinismus) oder der katholischen Gegenreformation zu dienen.Auch hier war die deutsche Sprache verfemt, wurden die Realfächer verpönt, Rechts- undHeilkunde nach veraltetem Schematismus mangelhaft gelehrt; die bevorzugten Fächer, Theologieund Philologie, drängten alles in den Hintergrund. Die Früchte dieser Erziehung zeigten sichin der unglaublichen Roheit der studentischen Sitten auf den Hochschulen, die sich bis ins sieb-zehnte Jahrhundert hinein noch immer verschlechterten.