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Zweiter Band.
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Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kunskgewerbe.

Gildenschild der Schlosser, an schmiedeeisernem Träger, in Wolfsnbüttel. (Nach Hcuser, bei Ortwein.)

politischer Bedeutung, wie Moritz von Sachsen, Albrecht V. von Baiern, Christoph vonWürttemberg waren wegen ihrer Leistungsfähigkeit im Trinken geradezu berüchtigt.

Es war denn auch folgerichtig die Zeit der großen Trinkgefäße und der kolossalenWeinfässer, deren berühmteste noch heute im Keller des Heidelberger Schlosses liegen; das ältere,vom Jahre 1591, faßt 132 Fuder; das zweite dreiundsiebzig Jahre jüngere ist erheblich größerund enthält 204 Fuder; das dritte, vom Jahre 1752, nimmt sogar 250 Fuder in sich auf.Mehr als dreimal so groß war aber ein Weinfaß auf der Festung Königstein, das 850 Fuderfaßte, jedoch nicht erhalten ist. Diesen Kolossen entsprachen die ungeheueren Familienpokale,Gesellschaftsbecher und Zunfthumpen. Man hatte besondere Willkommbecher von Gold, Silber,Kristall und Glas, aus welchen die Gäste des Hauses Bescheid thun mußten, und besondere„Trinkbücher", in welche sie sich einschrieben.

Ein solches Trinkbuch ist auch auf dem Schlosse Ambras erhalten; in ihm hat sich imJahre 1567 zuvorderst unter den Frauen die schöne Augsburgerin Philippine W elser eingetragen,die Gattin Erzherzog Ferdinands, eines Sohnes von Kaiser Ferdinand I., der ein besseres Losbeschieden war, als ihrer unglücklichen Mitbürgerin Agnes Bernauer, die ein Jahrhundert vorihr dasselbe Wagnis fürstlicher Liebe mit dem Tode gebüßt hatte. Nicht wenige Damen folgtenihr, nachdem sie den drei Maß haltenden „Willekumm" geleert hatten. Die Sprüche diesereigenartigen Albums, die wiederholt gesammelt worden sind, wechseln zwischen der Andeutungder Nachwirkung des Geleisteten und mehr oder weniger witzigen, mehr derben als geistvollenGedanken. So schrieb z. B. einer: „Ein Narr bin ich, gesoffen hab' ich, sterben muß ich";ein anderer: „Der Bacchus nahm das Haupt mir ein, drum sind die Füße nicht mehr mein."Besser ist: „Leben und nicht genießen, das mag den Teufel in der Hölle verdrießen." Kurzund gut ist die Zeit gezeichnet in den auf der Burg Hohentwiel eingeschriebenen Worten:„Hohentwiel, wo man nicht wenig ißt und trinket viel."

Die Gasthäuser verbesserten sich in dieser Zeit und breiteten sich immer mehr aus.Daß in ihnen auch viel mehr gezecht wurde, als gut war, deutet die Einführung der Polizei-stunde an. Eine Glocke, die Weinglocke, die auch letzte oder lange Glocke genannt wurde, weilsie eine halbe Stunde lang läutete, setzte dem Trinken im Sommer um neun, im Winter umacht Uhr ein Ziel. War ihr Ton verklungen, so mußte der Wirt seine Gäste verabschieden,„Feierabend bieten", und sein Haus schließen; wer dagegen fehlte, Wirt wie Gast, mußte einebeträchtliche Buße erlegen, oder Gefängnisstrafe und sogar Stadtverweisung erleiden. Über dieGasse hingegen durften die Wirte bis Mitternacht Getränke verabreichen. Als Wirtshauszeichendiente im Mittelalter und meist noch im sechzehnten Jahrhundert, wie in manchen abgelegenen