Band 
Zweiter Band.
Seite
79
JPEG-Download
 

Wirtshäuser. Zeiteinteilung. Das Geld.

79

wurden, wofür der Ausdruck „Schild" für ein Gasthauszeichen und die besonders beliebte Wahlvon Wappenbildern, wie Krone, Kreuz, Sonne, roter Löwe, schwarzer Bär, goldener Hirsch,schwarzer oder goldener Adler sprechen. Erst später kamen zur Bezeichnung der Häuser abstrakteBegriffe, wie Treue, Einigkeit u. s. w. auf, wogegen die Benutzung biblischer Bilder, wie dieArche Noah, der Riese Goliath, die drei Könige älter sein mag.

Der Feierabend der Wirtshäuser führt auf die damals gebräuchliche Zeiteinteilunghinüber. Im Westen Deutschlands war schon im fünfzehnten Jahrhundert die früher üblicheEinteilung des Tages in vierundzwanzig fortlaufende Stunden zu Gunsten jener in zweimal zwölfStunden aufgegeben worden. In Breslau wurde letztere erst im Jahre 1580, im übrigenSchlesien sogar erst bis 1595 eingeführt. Besondere Anlässe abgerechnet, stand man früh aus,schon um vier oder fünf, und ging früh, um neun Uhr, wieder zur Ruhe. Die Arbeit sowohl,als die Ratssitzungen und der Schulunterricht begannen um sechs, im Winter um sieben Uhr.Letzterer dauerte bis acht und nachmittags von zwölf bis zwei, drei oder höchstens vier Uhr;da konnte die Jugend gehörigaustoben. Um zehn Uhr war dieStunde des Mittagsessens, selbstKaiser Karl V. speiste nicht späterals um elf Uhr. Um vier, fünfoder sechs Uhr wurde das Abend-brot verzehrt. Im Lause der Zeitaber haben sich diese Verwen-dungen der Stunden immer weiterhinausgeschoben.

Großen Schwankungen unter-lagen auch die Geld Verhält-nisse. Im Rheingebiete galt bisin das siebzehnte Jahrhunderthinein die Mark als die üblichsteMünze; sie teilte sich in zwölfWeißpfennige, 144 Heller und288 Pfennige. Nach neuerenBerechnungen hatte die damaligeMark noch um 1460 einen Wert von 7,17 Mark, schon im Jahre 1551 aber nur noch von3,80 Mark unseres heutigen Geldes. Unter einer Tonne Goldes verstand man 100000 Guldenoder Thaler je nach der gerechneten Währung.

Ein Malter Roggen (120 LZ) schwankte in der Zeit von 1520 bis 1560 im Preisezwischen neun und fünfzig Reichsmark. Ein Pfund Rindfleisch kostete im Jahre 1550 etwafünfundzwanzig bis dreißig Pfennige heutigen Wertes, ein Pfund Hammelfleisch vierzig bisfünfundvierzig, ein Kapaun etwa siebzig, ein junges Huhn etwa vierzig, ein Pfund Schinkenungefähr fünfundvierzig heutige Pfennige. Hundert Eier stiegen in dem langen Zeitraumevon 1360, wo sie nur fünfundachtzig Pfennige kosteten, bis 1790 auf drei bis drei und einehalbe Mark. Umgekehrt sank der Preis der Gewürze; ein Lot Pfeffer galt um 1522 sechzigPfennige, heute gilt es kaum den zehnten Teil des damaligen Wertes. Eine Elle gutesschwarzes Tuch kostete im Jahre 1420 etwa fünf und eine halbe heutige Mark, 1532 aberacht Mark; dagegen ein Paar Stiefel 1430 etwa drei Mark sechzig Pfennige, im Jahre 1550aber nur noch eine Mark achtzig Pfennige bis zwei heutige Mark.

Die Jahresmiete eines anständigen, z. B. eines Domherrnhauses kam im Jahre 1555auf nur achtundachtzig bis neunzig Mark heutigen Geldes, während ein bescheideneres Haussogar schon um dreißig Mark Miete zu haben war.

Um ein Malter Getreide zu verdienen, mußte ein Tischlergeselle im Jahre 1500 fünf-unddreißig Tage arbeiten; 1540 indes unter dem Aufschwung des Handwerks erlangte er den-selben Lohn schon in neunzehn bis zwanzig Tagen; bereits aber im Jahre 1560 mußte er

Goldmünze von zehn Dukaten, Portugalöser, von Joachim II., Kurfürstvon Brandenburg (1S3S—1571). Originalgröße.

Umschrift der Vorderseite in zwei Kreisen: I0L0UIL' 2' v' a' LILLOUIO'ULLMLNLVR'Ll,L0r0U'I>VX'I>I!,V88Ii:-1S70. Im Felde das branden-bnrgrsche Wappen mit dein Knrsürstenhut. Umschrift der Rückseite: IN' XNO' (LIlristv)68V0iriX0'VLX0Lr'8LI>X8'1ML (nostra). Zm Felde ein verziertesportugiesisches Kreuz. Berlin, Königl. Münzkabinett.