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Zweiter Band.
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Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kunstgewerbe.

wieder fünfunddreißig Arbeitstage dafür aufwenden. Um den gleichen Erwerb hatte ein Holz-säger im Jahre 1570 etwa vierunddreißig, zwanzig Jahre später aber ungefähr sechsundvierzigTage sich zu plagen.

Die Handarbeiterlöhne waren im fünfzehnten Jahrhundert hoch, um 1450 etwa drei undeine halbe Mark für den Tag; auch um 1560 noch wurden etwa 2,70 Mark gezahlt; dreißigJahre später aber, 1590, nur noch 1,60 Mark. In dem folgenden Jahrzehnt und bis zumwestfälischen Frieden und weiter bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts stiegen die Löhne, sodaß im Jahre 1600 zwei Mark dreißig Pfennige, 1650 noch zehn Pfennige mehr, im Jahre1700 aber drei heutige Mark gezahlt wurden. Dann aber ging der Lohn herunter bis er imJahre 1770 nur noch eine heutige Mark betrug. Meister erhielten nicht viel mehr, ja oft weniger,nämlich um 1500 drei und drei viertel, 1590 anderthalb, 1650 zwei und eine halbe, 1700drei Mark und 1770 zwei Mark fünfunddreißig Pfennige heutigen Geldes täglichen Lohn.

Einen ganz sicheren Maßstab für die Wertschätzung der Arbeit in den verschiedenen Zeit-abschnitten geben diese den erhaltenen Rechnungen entnommenen Zahlen jedoch nicht. Denndie Schwankungen werden oft nicht nur in den allgemeinen Zeitumständen begründet, son-dern durch die besondere Art der Arbeit, den Grad der Leistung des Einzelnen und durch

örtliche Umstände wesentlich mit beeinflußtworden sein.

Dieselbe Ausschweifung des ganzenGebarens, die sich in den religiösen Zän-kereien und Verfolgungen, dem abergläu-bischen Treiben und dem unmäßigen Essenund Trinken kundgab, trat auch auf demGebiete der Tracht hervor und erfülltedas ganze sechzehnte Jahrhundert mit ihrenschreienden Launen.

Das Jahrhundert der freiheitlichenBestrebungen in allen Richtungen, brichtauch kostümlich mit den engen Formen desMittelalters. Die Tracht wird weiter,man schlitzt auf, wo das Kleid die Be-wegung behindert. Daher Schlitze überall,an Rock, Ärmel, Hose. Im Ansang nochbescheiden bis 1510 (Fig. 2 der Tafel „die Tracht des 16. Jahrhunderts"), gewinntdas Kostüm bis um 1530 immer mehr an Abenteuerlichkeit, Pracht und Weite. Die Schande(Fig. 1), im Anfang des Jahrhunderts noch von mäßiger Länge, mehr Zweckkleid, wird zumkürzeren Prachtkleide mit Pelzkragen und weiten geschlitzten Ärmeln. Der enge kurze Scheckenrockwird zum Faltenrocke (Fig. 4), das Beinkleid teilt sich in die oft geschlitzte Schenkelhose und denStrumpf. Der Schuh ist vorn breit mit nur ganz wenig Oberleder (Fig. 3, 3a), nachdem ervorher eine rundliche Mittelform gezeigt (Fig. 1, 2), das sogenannte Entenmaul. Das Haupt-haar wird verkürzt und zu der Kolbe genannten Frisur (Fig. 5, 6) geschnitten, der Bart wirdfrei in mannigfacher Form getragen, namentlich gerade unter dem Kinn gekürzt (Fig. 3). DenKopf bedeckt das Barett, dessen Befestigung, weil es tellerförmig wird, bald die Haarhaube(Calotte) fordert (Fig. 4, 4 a). Die Kleider sind reich mit Samt und Atlas oder farbigenDamaststreifen besetzt; die Schlitze werden bunt unterfüttert. Vor allem wichtig ist die Ver-änderung am Halse. Zuerst noch unter der Halsgrube abschneidend (Fig. 2), steigt das Hemdbis zum Halse auf und wird durch ein Bündchen gefaßt. Nach dem Jahre 1525, in welcherZeit das Kostüm des sechzehnten Jahrhunderts ungefähr seine Vollendung erreicht, wird derRock kürzer, das Hemd steigt über das Bündchen heraus und zeigt eine immer größer werdendeüberstehende Krause, die am Ende des Jahrhunderts zum Mühlsteinkragen wird und Kröse heißt(Fig. 12, 13). Auch an der Hand tritt das Hemd als Krause hervor. Der Rock wird amHalse höher, unter der Hüfte immer kürzer, das Barett wird kleiner (Fig. 6); gegen Ende des

Tanzende Bauern.

Faksimile des Kupferstiches, 1S46, von Hans Sebald Beham (1500—isso).Originalgröße.

E.