Schmuck. Die Reichskleiderordnung. 89
Auch über das Pferdezeug verbreitete sich dieses Reichsgesetz. Allein, wie die früheren Ver-suche, so war auch dieser ohne Erfolg, und die Eitelkeit forderte unablässig ihre Opfer.
Am freiesten hielten sich von der allgemeinen Prunksucht die protestantischen Geistlichen,die bei Ablegnng des Mönchsgewandes den Talar der Gelehrten annahmen. Sie traten schmucklosund einfach auf und eiferten am meisten gegen die ausschweifenden Trachten der Laien. Diekatholische Geistlichkeit gab zwar die Pracht ihrer Gewänder nicht auf; aber seit der in Trient
Werkstätte eines Goldschmiedes.
Faksimile des Titelholzschnittes in dem Kunstbüchlein des Hans Brosamen von Fnlda (1506 bis nach 1554).Rechts der Schmelzofen, dessen Feuer ein Knecht mit dem Blasebalg anfacht.
angebahnten und nachher so erfolgreichen Gegenreformation drang das Bestreben durch, von derzur Zeit der Entartung des geistlichen Standes nach und nach eingeschlichenen Geschmacklosigkeitder geistlichen Kleidung zum stilvollen und künstlerisch durchdachten Ornate früherer Zeiten zurück-zukehren. Dieser Ornat behielt, ungeachtet aller dem jeweiligen Zeitgeschmäcke zum Opfer gebrachtenAbänderungen, den würdevollen Charakter, in welchem wir ihn heute noch kennen (l. S. 287).
Viel selbständiger, maßvoller und edler als in der Tracht stand Deutschland während dessechzehnten Jahrhunderts auf dem Gebiete des Gerätes da. Ein gewiß unverdächtiger Zeuge,