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Zweiter Band.
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Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kuustgewerbe.

Schlüssel zu öffnende Nummern- oder Buchstabenschloß, der Orgelbauer Hans Lobsinger erfandum 1550 das „große Gebläse", d. h. die Kunst, „beliebig große Blasebälge ohne Leder,lediglich von Holz zu beschaffen, welche gleichmäßig wie für Orgeln, auch für Schmelzhüttendienlich seien". Die Blech- und Kupferschmiede und die Zinngießer brachten erstaunliche Arbeitenauf den Markt; Albrecht Dürers Schwiegersohn, Hans Frey, fertigte Zimmerbrunnen, diestets fließendes Wasser spendeten. Sebastian Lindenast ahmte in Kupfer und Martin Harscher

Trinkkrug aus Thon mit Deckel. In Trier. Angefertigtin Raeren bei Eupen 1591. Seltenes Meisterwerk der Krug-bäckerei. Am Unterbau sieben Porträtmedaillons. 74 Centimeterhoch. (Nach Heuser, bei Ortwein.)

in Zinn jede Goldschmiedarbeit nach. Den Bronze-gießer Peter Bischer (S. 32) kennen wir bereits.

Die Glasarbeit erzeugte Prunkgefäße nachVenedigs Vorbild; in Verbindung mit ihr hobsich die seit dem Mittelalter tief gesunkene Glas-malerei ebenfalls, besonders in der Schweiz, woes Sitte wurde, Freunden und Verwandten anbesonderen Gedenktagen gemalte Fensterscheibenin ihre Häuser zu stiften. Aber die Reformation,welche das Helldunkel der Kirchen nicht liebte,sondern volles Licht verlangte, war ihr nichtgünstig; so blieb die Glasmalerei des sechzehntenJahrhunderts im wesentlichen auf das Privat-haus beschränkt.

Eigentümlich trat in der deutschen Renais-sance die Töpferarbeit hervor. Während desMittelalters hatte sich dieselbe meist auf dasgewöhnliche irdene Geschirr des täglichen Be-darfs beschränkt; jetzt wird sie von dem allge-meinen Zuge mit ergriffen und nimmt einenkünstlerischen Aufschwung. In diesem kunstgewerb-lichen Zweige, dessen Arbeiten so sehr charak-teristisch für die Landes- und Zeitneigung sind,nimmt der Nürnberger Augustin Hirschvogel(1488—1553) die leitende Stellung ein. Durchihn erhielt ein hauptsächliches Ausstattungsstückdes deutschen Zimmers, der Kachelofen, die Er-scheinung, in welcher er sich durch den ganzenAufbau, wie durch die Verzierung, Farbe undGlasur der Kacheln unter die künstlerisch ge-stalteten Gebrauchsgegenstände der Zeit harmo-nisch einreihte. Die Niederlande, Köln, Kreußenbei Baireut und sächsische Orte ahmten in Stein-gut die französische und italische Majolika undFayence nach; natürlich standen dabei wiederdie Trinkhumpen, Kannen und Krüge im Vorder-gründe, welche mit Bildnissen von Kaisern, Hel-den, Aposteln, mit Bauerntänzen und Jagden,zumeist in buntfarbiger Glasur, verziert wurden.Im Nassauer Lande war der ursprüngliche Sitzder „Krugbäckerei".

Auch dem Bucheinband, dessen Metall-beschläge nur noch zur Verzierung dienten, wurdekünstlerische Pflege mannigfaltig zugewandt; so-wohl in Metall durch reiche Deckel in getriebenerArbeit, wie die prächtigen Schaustücke, welche