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Zweiter Band.
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Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kunstgewerbe.

des Häuslichen. Das Haus desder Ausstattung, sondern suchte sie

Roßstirn von einer Pferdckriegsrüstungaus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Wien, t. k. Art.-Ars.-Museum.

Die phantastischen Tiergestalten sind getriebene, Arbeit; die Ornamentiernng des Hintergrundesist geätzt, welche Technik in d er Waffenv erzierungdes 16 . Jahrh, allgemein gebräuchlich war, undbei der die Zeichnung blank aus dunklem Grundehervortritt. (Nach Q. Lettner.)

Thürklopfer.

Bronzeguß von einem Münchener Gießmeister.Ehemals au einer Saalthüre im Fuggerhause zuAugsburg. (Nach Leybold, bei Ortwein.)

Reichen wetteiferte nicht nur mit der Kirche in der Prachtdarin zu übertreffen. Deutschland folgte in dieser Hinsichtdem Beispiel Italiens, besonders Venedigs, dessen Häusernicht nur, sondern dessen Schiffe sogar zu Palästen mitdem raffiniertesten Luxus geworden waren. So entwickeltesich in den Wohnstätten der Reichen oft märchenhaftePracht. Darin unübertroffen blieb der Palast der Fugger(I. S. 469) am Weinmarkte in Augsburg, der glänzendeSäle und trauliche Stuben, eine Kapelle und ein herr-liches, anmutiges Bad zu einem künstlerisch durchgebildetenarchitektonischen Ganzen von fürstlicher Pracht vereinigte.Kostbare Münz- und Gemäldesammlungen, schöne Wand-malereien und Plastische Kunstwerke zierten dieses be-deutendste deutsche Patrizierhaus, um welches paradiesischeGärten mit Götterstandbildern, Lusthäusern, Spring-brunnen und Blumenbeeten prangten. Beatus Rhenanusschrieb von Anton Fuggers Hans: „Es ist an den meistenOrten gewölbt und mit marmornen Säulen unterstützt.Was soll ich von den weitläustigen und zierlichen Zimmern,den Stuben, Sälen und dem Kabinette des Herrn selbstsagen, welches sowohl wegen des vergoldeten Gebälkes, alsder übrigen Zieraten und der nicht gemeinen Zierlichkeitdes Bettes das allerschönste ist?" Während des Augs-burger Reichstages von 1530 wohnte Kaiser Karl V. imHause des Kaufherrn Anton Fugger, den er in den Grafen-stand erhob, den Nachkommen jenes Webermeisters, der1370 in Augsburg Bürger geworden war.

Bei größerer Einfachheit der häuslichen Einrichtungzeichnete sich die reformierte Schweiz, gleich den Niederlanden,durch ihre Reinlichkeit aus. Der mit den übrigen ver-folgten Tessiner Protestanten im Jahre 1555 nach Zürichgeflohene Alois von Orclli aus Locarno berichtete damals,was für einen Italiener unerhört war: „Nach demMorgengcbet ist hier durchgehends in allen Häusern dasAusscheuern der Wohnzimmer, Gänge und Bänke, vorden Thüren und alles Gerätes das erste Geschäft derMägde, und wo keine sind, der Hausfrau selbst."

Auch bei einfacher Ausstattung wurden die Wändeder Zimmer mit Holztäfelung bekleidet. Der Anordnungderselben lag meist ein architektonischer Gedanke zu Grunde.„Jede einzelne Tafel hatte die Form eines Portals oderFensters; mitunter sah man in ihnen auch Figuren undFruchtschnüre mit Fleiß aus Nußbaum geschnitzelt, dessenbraune Farbe die Gemächer düster erscheinen ließ, wozudie niederen Fenster und die geringe Höhe der Stockwerkenoch beitrugen." „Die Fußböden waren dagegen nur voneinfarbigen gebrannten Steinen"; in Prunksälen warenaber auch diese Steine mit stilisierten Blumen oder anderenOrnamenten in Relief verziert, wodurch sie dem darüberschreitenden Fuße nicht angenehm waren. In den Wohn-stuben aber wurden die Fußböden mit Holz belegt undblieben ohne Verzierungen. Die Zimmerdecken dagegen