Band 
Zweiter Band.
Seite
104
JPEG-Download
 

104

Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kunstgewerbe.

Strahl emporsandten. Der Zug der Zeit war eben energisch darauf gerichtet, das Leben injeder Beziehung auszuschmücken; je nach den Mitteln waren darin für den einen die Grenzenenger gezogen wie für den anderen; wie weit man aber in diesem Hange ging, zeigen einpaar kleine Erwähnungen von 1556: „ein goldenes Besteck zu einem Zahnstocher und Ohr-löffel, gänzlich von durchbrochener Arbeit, emailliert mit roten und weißen Kronen"; und von

1599: „zwei goldene Bestecke zur Ver-wahrung von Scheren, das eine durchausmit Diamanten, das andere mit Diamantenund Rubinen besetzt."

Die Möbel wurden leichter, be-weglicher und prächtiger, mit Schnitzereienund gemalten Ornamenten geschmückt.Für Sessel, Stühle und Bänke kamenimmer mehr die geraden Linien undrechten Winkel in Aufnahme; das Polster-würde mit zierlichen Nägeln an dieUnterlage befestigt. Die bedeutende Größeder Tische nahm ab; ihr Fußgestell waroft von Bronze und vergoldet; gegen dasEnde des sechzehnten Jahrhunderts kamendrcifüßige, halbkreisförmige Tischchen inGebrauch, deren zwei zusammengerückteinen runden Tisch bildeten. Aus dieAnrichttische, Schankgestelle und Kredenz-schränke wurde viel Raum und gediegenePracht verwendet. Die Schränke löstensich von der Wand, mit deren Getäfel siebis dahin noch meist als Wandschränke ver-bunden gewesen waren, los und wurdenzum selbständigen Möbel, das sich inteils einfacher, teils reicher Gliederungdurch Säulen, Gesimse und portalähn-liche Füllungen aufbaute und mit Bronze-beschlägen ausgestattet wurde, gerade wiedie Truhe, welche als Sitzplatz und zurAufbewahrung von Kleidern sich gleicher-weise beliebt und im Gebrauche erhielt.Hinter alledem blieb die Ausstattung desSchlafzimmers natürlich nicht zurück; auchhier drang jeder erdenkliche, oder auf dieLebensumstände der Einzelnen bezogen,jeder für die besonderen Vermögensver-hältnisse erschwingbare Luxus ein. DasBett, dessen Ausstattung sich nicht mehr auf das einfache Linnen beschränkte, vertauschte dendarüber hängenden Baldachin mit dem an der Bettstelle angebrachten, von zierlichen Säulengetragenen Himmel, den Blumen, Engel und allerlei figürliches Schnitzwerk schmückten. Nuß-baum- und Eichenholz war das für die Möbel vorzugsweise verarbeitete Material, neben demaber auch kostbares Cedern-, Rosen- und Ebenholz reichlich verbraucht wurde, womit sich dannVergoldung und Bemalung, ebenso wie eingelegte Arbeit in Elfenbein und edlen Metallenverband. Ähnlich verschwenderisch wurden auch die Wiegen ausgeschmückt.

Der nämliche Geschmack an Pracht und Glanz sprach sich in den Beleuchtungsgerätenaus, in Krön-, Wand- und Tischleuchtern, Hänge- und Stehlampen, Fackelträgern und sogar

Thürschloß. Bamberg, städtisches Museum.(Nach Schumann, bei Lrtwein.)