Hannibal und Scipio; Kampf der Römer und Karthager.Verkleinertes Faksimile des Kupferstiches von Heinrich Aldegrever ( 1502 — 1562 ).
Achter Abschnitt.
Wissenschaft und Litteratur
am Ende des sechzehnten Jahrhunderts.
I Deutschland hatte keinen Kampf gegen eine Fremdherrschaft zu bestehen wie die Nieder-lande; denn wenn auch die Jesuiten, welche in manchen Gegenden den Vernichtungskrieggegen die Reformation führten, eine fremde und durchaus undeutsche Macht waren, so wurden siedoch von deutschen Fürsten geschützt. Dem Reiche fehlte somit die Anregung zu fortschrittlichenThaten, wie sie den Niederlanden der Freiheitskampf bot, und es konnten nur vereinzelte Frührots-zeichen einer kommenden besseren Zeit sein, welche hier zwischen den heftigen Händeln derKonfessionen auftauchten. Das gilt für die damalige Zeit auch von der Schweiz, die vonihrer weltgeschichtlichen Rolle sich zurückgezogen hatte und drei Jahrhunderte erleben mußte, diegegen ihre frühere Heldenzeit traurig abstachen.
Der dringendste Kampf, zu dem das, wenn auch noch schüchtern in der Zeit liegendeStreben nach erfreulicheren Zuständen aufrufen mußte, war sicherlich derjenige gegen den ver-derblichsten Auswuchs des herrschenden Aberglaubens, gegen die Hexenprozesse. SchonErasmus und andere aufgeklärte Geister hatten gegen dieselben ihre Stimmen erhoben. Dererste aber, der den Kampf gewagt hatte, und zwar schon wenige Jahrzehnte nach der Hexen-bulle Jnnocenz' VIII., war Ulrich Molitor, Theolog und Jurist in Konstanz. Ihm folgte,obschon selbst der Astrologie, Alchemie und anderen Wahngebilden ergeben, Cornelius Agrippavon Nettesheim (I. S. 426), der zur Zeit des Auftretens Luthers Syndikus in Metz war.Es gelang ihm, eine angebliche Hexe zu retten, und er fand vielen Beifall; noch mehr Haßaber erntete er von feiten der Hexenrichter, die ihn selbst als Zauberer verschrieen, und alsFlüchtling starb er in der Fremde. Mehr als er wagte sein Schüler, der mit Unrecht ver-gessene Arzt Johann Weher (Wierus) aus Brabant, der aber seit dem Jahre 1550 Leibarztdes Herzogs Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg war. Hier schrieb er sein lateinisches Werk:von den Trugbildern der Dämonen und von den Zaubereien und Giftmischern, das 1563 inBasel erschien und nach zwanzig Jahren die sechste Auflage erlebte. Er stellte den Hexen-glauben als die unheilvollste Meinung hin, welche den christlichen Glauben schände, und erklärtedie Behauptungen des Hexenhammers als gottlose und unsinnige Albernheiten.
Weher war weit entfernt, am Dasein des Teufels zu zweifeln; ein so weites Hinaus-greifen über den Gesichtskreis seiner Zeit war von ihm nicht zu erwarten. Auch an dieZauberer als solche glaubte er, nannte aber die Zauberer Betrüger, und sprach seinen LehrerAgrippa von der Gemeinschaft mit ihnen frei. Was aber die Hexen betrifft, so nannte er dasvon denselben Ausgesagte reine Einbildung, welche er dem Genusse giftiger Pflanzen zuschrieb.